Skyline von Bagdad mit Bränden | REUTERS

Unruhen im Irak Zahl der Toten steigt auf mindestens 20

Stand: 30.08.2022 09:26 Uhr

Der Rückzug des irakischen Schiitenführers al-Sadr aus der Politik hat gewaltsame Proteste mit mindestens 20 Toten und Hunderten Verletzten ausgelöst. Das Nachbarland Iran schloss alle Landgrenzen zum Irak.

Bei dem Sturm von Anhängern des ein Schiitenführers Muktada al-Sadr auf den Regierungspalast in Bagdad hat sich die Zahl der Opfer auf mindestens 20 erhöht. Zudem wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften mindestens 350 Menschen verletzt.

Die irakischen Streitkräfte hatten Schüsse und Tränengas abgefeuert, um die Demonstranten aus dem Regierungspalast zu vertreiben. Kurz vor dem Sturm hatte der 48 Jahre alte Geistliche seinen Rückzug aus der Politik erklärt. In dem Gebäude in der eigentlich hoch gesicherten Grünen Zone liegt unter anderem das Büro von Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi.

Augenzeugen zufolge lieferten sich zudem Sadr-Unterstützer und Anhänger einer rivalisierenden schiitischen Gruppe Feuergefechte. Die Armee setzte Tränengas ein und verhängte eine landesweite Ausgangssperre.

Al-Sadr kündigt Hungerstreik an

Al-Sadr kündigte Medienberichten zufolge einen Hungerstreik an, bis die Gewalt aufhört. Zudem müsse der Einsatz von Waffen beendet werden, meldeten die staatliche Nachrichtenagentur INA sowie das staatliche Fernsehen am späten Montagabend. Eine Bestätigung von Al-Sadrs Büro lag nicht vor.

Das Nachbarland Iran schloss aufgrund der Unruhen alle Landgrenzen zum Irak, wie das dortige Staatsfernsehen berichtete. Iraner wurden aufgerufen, Reisen in den Irak zu meiden - und das unmittelbar vor einer Pilgerfahrt, für die jedes Jahr Millionen Iraner in den Irak kommen.

Anhänger des schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr nach der Erstürmung im Republikanischen Palast | AFP

Die Grüne Zone im Zentrum Bagdads ist eigentlich streng gesichert. Trotzdem konnten die Demonstranten in die Regierungsgebäude vordringen. Bild: AFP

Anhaltende Krise eskaliert

Damit spitzt sich die politische Krise im Irak weiter zu, nachdem Demonstranten vor einem Monat bereits in das Parlamentsgebäude eingedrungen waren. Auch rund zehn Monate nach der Parlamentswahl können sich die Parteien weder auf einen Präsidenten noch einen Regierungschef einigen, während das Land unter einer Wirtschaftskrise, Inflation und Korruption leidet.

Al-Sadrs Bewegung ging bei der Wahl zwar als klarer Wahlsieger hervor, konnte jedoch nicht die wichtige Zweidrittelmehrheit erreichen, die für die Präsidentenwahl erforderlich ist. Damit entstand eine politische Pattsituation.

Schon einmal aus der Politik zurückgezogen

Bereits zum zweiten Mal seit 2014 kündigte Al-Sadr seinen Rückzug aus der Politik an. Keine zwei Stunden nach der Ankündigung strömten Demonstranten in die Grüne Zone. Die Protestler beseitigten Barrieren und kletterten über Zäune. Sicherheitskräfte versuchten, die Menge mit Wasserwerfern auseinanderzutreiben.

Die UN-Mission im Irak (Unami) sprach von einer "extrem gefährlichen Eskalation" und forderte die Demonstranten auf, das Regierungsviertel sofort zu verlassen. "Das Überleben des Staates steht auf dem Spiel", erklärte die UN-Mission. 

UN-Generalsekretär António Guterres rief zur "Zurückhaltung" auf und forderte "alle relevanten Akteure" auf, "sofortige Schritte für eine Deeskalation der Situation" zu unternehmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2022 um 08:00 Uhr.