Klaus Iohannis | Bildquelle: REUTERS

Rumänien hat gewählt Iohannis muss in die Stichwahl

Stand: 11.11.2019 01:11 Uhr

Die Entscheidung über das künftige Staatsoberhaupt Rumäniens ist vertagt. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl erreichte Amtsinhaber Iohannis nur 36 Prozent. Trotzdem hat er gute Chancen, am Ende zu siegen.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Der Präsident gab sich auf der Siegesfeier kämpferisch. Klaus Iohannis ließ vor seinen Anhängern erkennen, mit welchem Wahlkampf-Motto er in der Stichwahl gegen Ex-Ministerpräsidentin Viorica Dancila von der sozialdemokratischen PSD gehen wird: "Unser Kampf hat das Ziel, die PSD gänzlich von der politischen Macht zu entfernen, damit die Sozialdemokratische Partei Rumänien nicht mehr gefangen hält, Rumänien nicht mehr zum Gefangenen der Vergangenheit macht. Und heute haben wir einen großen Schritt in diese Richtung getan."

Deutlicher schneller als zunächst erwartet, verlief am Wahlabend die Stimmenauszählung. So legte die Landeswahlbehörde nach Mitternacht auf der Grundlage von 99,5 Prozent der ausgezählten Stimmen das Ergebnis der ersten Wahlrunde vor: Demzufolge kam Staatspräsident Iohannis, der der rumäniendeutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen angehört, auf  36,6 Prozent. Die Umfragen hatten ihm ein etwas besseres Ergebnis prognostiziert.

Viorica Dancila | Bildquelle: AP
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PSD-Politikerin Dancila schnitt unerwartet gut ab.

Stichwahl in zwei Wochen

Für eine Überraschung sorgte das Ergebnis der PSD-Kandidatin und ehemaligen Regierungschefin Viorica Dancila. Sie schaffte mit knapp 24 Prozent ihr eigenes Wahlziel, nämlich das Erreichen der Stichwahl: "Ich bin zufrieden, weil alle Kollegen landesweit sich ganz toll engagiert haben und ja, ihr seht es,  das hat uns in die zweite Runde gebracht, obwohl wir mit Kritik überschüttet wurden und endlose Anti-PSD-Kampagnen und Anti-Viorica-Dancila-Kampagnen gegen uns laufen!", sagte sie.

Damit bezog sich die ehemalige Ministerpräsidentin vor allem auf Klaus Iohannis, der sich während der nahezu dreijährigen Regierungszeit der PSD gegen die Absicht der Sozialdemokraten gestellt hatte, die Korruptionsbekämpfung zu schwächen. Iohannis dürfte in den beiden Wochen bis zu den Stichwahlen am 24. November vor allem um die Unterstützung der Wähler von Dan Barna werben, des Chefs der jungen, proeuropäischen Partei Union Rettet Rumänien.

Gute Chancen für Iohannis

Der 44jährige Barna, ein Unternehmer, der erst seit wenigen Jahren in der Politik ist, kam auf knapp 14 Prozent. Er machte am Wahlabend klar: "Heute hat Rumänien eine große Chance, und wir haben in dieser Kampagne bewiesen, dass auch gewöhnliche Menschen erfolgreich die alte politische Klasse bekämpfen können. Gewöhnliche Menschen, die es sich in den Kopf gesetzt haben, mit einer politischen Allianz Rumänien zu modernisieren, sind ein Faktor geworden, mit dem zu rechnen ist. Die Zukunft gehört uns, und wir fühlen uns ermutigt, dass so viele Menschen uns gewählt haben, und darauf wollen wir unsere nächsten Maßnahmen aufbauen."

Es ist damit zu rechnen, dass Klaus Iohannis bei den Stichwahlen die Wählerstimmen der proeuropäischen Partei Rettet Rumänien erhalten wird und mit seiner Wiederwahl rechnen kann. Viorica Dancila dürfte ihr Wählerpotential ausgeschöpft haben und wird von einer Mehrheit der rumänischen Wahlberechtigten als Symbol  der alten, von Nationalismus und Populismus geprägten PSD-Ära betrachtet.

Rumänien hat gewählt – Stichwahl zwischen Klaus Iohannis und Viorica Dancila
Clemens Verenkotte, BR
11.11.2019 06:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2019 um 05:52 Uhr.

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