Blick auf das nächtliche Jakarta. | Bildquelle: dpa

Neue Hauptstadt für Indonesien Regierung verlässt die "sinkende Stadt"

Stand: 27.08.2019 12:12 Uhr

Indonesiens Präsident Widodo will eine neue Hauptstadt auf der Insel Borneo - quasi mitten im Dschungel. Dort sei das Risiko von Naturkatastrophen gering. Die Perspektive für Jakarta ist schlecht.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Er hat es sehr spannend gemacht. Als Präsident Joko Widodo, genannt "Jokowi", enthüllte, wo genau die neue Hauptstadt Indonesiens gebaut werden sollte, ließ er eine lange Pause:

"Wir haben viele Untersuchungen studiert und diese Studien in den vergangenen drei Jahren intensiviert. Demnach ist der ideale Ort für die neue Hauptstadt in Ost-Kalimantan."

Längst nicht so glamourös wie Jakarta

Das ist von ganz weit weg betrachtet ein undefiniert großer Bereich in einer noch nicht allzu sehr erschlossenen Provinz im Osten von Borneo. Kalimantan heißt der indonesische Teil der größten Insel Asiens; die anderen Teile gehören zu Malaysia und Brunei. Ost-Kalimantan ist längst nicht so glamourös wie Jakarta - eine Megacity der Moderne, der sozialen Medien, der Restaurants.

Blick auf Hochhäuser in Jakarta. | Bildquelle: REUTERS
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Jakarta kämpft mit Luftverschmutzung und starken Verkehrsproblemen.

Der neue Ort habe ein minimales Risiko von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Waldbränden, Vulkanausbrüchen und Erdrutschen, so Widodo.

Mehr Sicherheit

All das sind Gefahren, denen ein Großteil der 17.000 Inseln von Indonesien ausgesetzt ist, denn der Archipel liegt auf dem pazifischen Feuerring, einer tektonisch sehr aktiven Zone der Welt. Jakarta wurde gerade im Sommer von Erdbeben erschüttert, die Stadt ist immer wieder überschwemmt. Von daher bietet Ost-Kalimantan mehr Sicherheit. Der Ort sei, so Widodo, strategisch gewählt, da er in der Mitte Indonesiens liegt. Und er sei nah an entwickelten Städten.

Balikpapan zum Beispiel ist eine große Hafenstadt in der Nähe. Die Regierung besitzt schon knapp 200.000 Hektar Land dort. Der Vorwurf, dass Jakarta die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich ziehe, ist alt. Im Großraum leben 30 Millionen Menschen. Auf ganz Java, der Insel, auf der Jakarta liegt, lebt mehr als die Hälfte aller Indonesier. Der Rest fühlt sich oft vernachlässigt von der Regierung. Daher das Zeichen des Umzugs. Diesen hatte schon der erste Präsident Indonesiens, Sukarno, vorgeschlagen hatte. Aber "Jokowi" möchte jetzt derjenige sein, dem er gelingt:

"Eine Hauptstadt ist nicht nur ein Symbol nationaler Identität, sondern sie repräsentiert auch den Fortschritt einer Nation. Dieser Schritt verwirklicht wirtschaftliche Gleichheit und Gerechtigkeit."

Jakarta versinkt im Jahr 25 Zentimeter

Jakarta versinkt unterdessen, nicht nur im legendären Stau, den auch die einzige U-Bahn nicht lindern kann, sondern buchstäblich. Teile der Stadt sinken 25 Zentimeter im Jahr, manche sind nur durch eine Mauer vom Meer getrennt - auf Augenhöhe schwappt die Javasee an die Wand. Jahr für Jahr überschwemmen in der Regenzeit Flüsse die Straßen.

Eine Mauer schützt Teile von Jakarta gegen den steigenden Meerespegel | Bildquelle: AP
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Eine Mauer schützt Teile von Jakarta gegen den steigenden Meerespegel.

Auch wenn der Präsident verspricht, dass Jakarta als Megacity und Finanzzentrum nicht allein gelassen wird, bekommen Kritiker das Gefühl: Die Regierung verlässt die sinkende Stadt. "Das ist die Vision eines fortgeschrittenen Indonesiens", so Widodo.

Vom Dschungel bedeckt

Die neue Hauptstadt soll smart und grün sein. Der Baubeginn ist für 2021 geplant, drei Jahre später sollen die ersten Regierungsbeamten umziehen. Kalimantan ist zu großen Teilen von Dschungel bedeckt. Es ist Heimat von mehreren gefährdeten Tierarten, wie Orang-Utan, Malaienbär oder Langnasenaffe. Umweltschützer fürchten, eine neue Stadt mitten in der Provinz könnte sie noch mehr gefährden.

Indonesiens Hauptstadt zieht um
Lena Bodewein, ARD Singapur
27.08.2019 09:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im Morgenecho am 27. August 2019 um 09:33 Uhr.

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