Mensschen an einem Wassertankfahrzeug. | Bildquelle: B. Musch-Borowska ARD Neu-Delhi

Wasserkrise in Indien Trinkwasser nur einmal in der Woche

Stand: 19.06.2018 14:20 Uhr

Indien steckt mitten in der schlimmsten Wasserkrise in der Geschichte des Landes. Mehr als 600 Millionen Menschen leiden unter dem Mangel. Eine Reportage aus in einem Stadtteil ohne Wasserversorgung.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Delhi

Der Tankwagen mit dem Trinkwasser kommt. Endlich. Ein großes Ereignis für die Bewohner der Siedlung Kusumpur Pahari - eigentlich würde man sagen Slum, denn dieser Stadtteil von Delhi ist nicht an das Wasserleitungsnetz der indischen Hauptstadt angeschlossen und auch nicht an die Kanalisation.

Die Menschen, die hier leben, bekommen nur ein Mal in der Woche Trinkwasser geliefert. Vijay Kumar ist in dem Viertel für die gerechte Verteilung des kostbaren Wassers zuständig. Streit gebe es fast immer, sagt er: "Jeder will zuerst dran kommen. Aber auf mich hören sie. Wenn nicht, dann drohe ich einfach damit, dass ich das Wasser abstelle und schon ist Ruhe."

Ein Mann bei der Wasserabfüllung in Plastikkanister. | Bildquelle: B. Musch-Borowska ARD Neu-Delhi
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Trinkwasser wird ein Mal in der Woche geliefert.

"Wir brauchen doch das Trinkwasser"

Eigentlich hätte der Tankwagen schon einen Tag zuvor kommen sollen. Wer keine Trinkwasser-Reserven angelegt hatte, saß auf dem Trocknen, sagt eine Bewohnerin:

"Seit gestern Früh warten wir auf den Tanklastwagen und solange stehen hier unsere Kanister in der Schlange. Alleine kann ich das Wasser gar nicht nach Hause tragen. Da müssen die Kinder mithelfen. Jetzt sind Ferien, aber sonst nehme ich sie an dem Tag, an dem das Wasser geliefert wird, aus der Schule. Wir brauchen doch das Trinkwasser."

Nicht weit entfernt von hier liegen die besseren Stadtteile Delhis, wo die reichen Leute wohnen, die täglich ausgiebig duschen können, luxuriöse Badezimmer haben und auch genug Geld, um Trinkwasser in Flaschen kaufen zu können. Die Einwohner von Kusumpur Pahari haben nicht mal eine Toilette, erzählt eine andere Bewohnerin:

"Da ganz weit draußen haben sie Plumpsklos für uns gebaut. Aber wie sollen denn meine Töchter dorthin kommen, ganz alleine? Wir Frauen gehen alle zusammen dort aufs Feld hinter die Büsche, morgens um fünf Uhr und dann den ganzen Tag nicht mehr."

Ein Wassertankfahrzeug | Bildquelle: B. Musch-Borowska ARD Neu-Delhi
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Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist von extremem Wassermangel betroffen.

Größte Wasserkrise in der Geschichte des Landes

Das ist die indische Hauptstadt - auf dem Land ist die Lage vielerorts noch schlimmer. Wasser ist knapp. Indien leidet derzeit unter der größten Wasserkrise der Geschichte des Landes.

Einem Regierungsbericht zufolge sind 600 Millionen Inder, also etwa die Hälfte der Bevölkerung, von extremem Wassermangel betroffen. Schon in zwei Jahren werden mehr als 20 Großstädte kein Grundwasser mehr haben, heißt es weiter in dem Bericht, der jetzt vorgelegt wurde. Bereits im Jahr 2030 hätten demnach etwa 40 Prozent der indischen Bevölkerung keinen Zugang mehr zu Trinkwasser.

Wasserversorung in Indien. | Bildquelle: B. Musch-Borowska ARD Neu-Delhi
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Ein Grund für den Mangel ist das schlechte Wassermanagement.

Niederschläge werden spürbar weniger

Ein Grund dafür ist das schlechte Wassermanagement. Aber Indien gehört auch zu den Ländern, die die Auswirkungen des Klimawandels am meisten spüren. Die Niederschläge in der Regenzeit werden spürbar weniger, in der Folge nehmen die Wasservorräte stetig ab.

Die Hauptstadt Neu-Delhi mit ihren rund 16 Millionen Einwohnern ist zudem auf die Wasserzufuhr aus den benachbarten Bundesstaaten angewiesen. Und die leiden selbst unter Wassermangel und machen Wasserlieferungen für die Hauptstadt zu einem Politikum.

Wasserkrise in Indien
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
19.06.2018 13:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell (Hörfunk) am 19. Juni 2018 um 15:47 Uhr.

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