Ein Mutter trägt ihr Kind in einem Eimer. | Bildquelle: REUTERS

Wasserkrise in Indien Endlich ist Wasser da

Stand: 13.07.2019 11:19 Uhr

Seit mehr als einem Monat leidet die indische Metropole Chennai unter Wasserknappheit - nun hat der erste Versorgungszug die Millionenstadt erreicht. Doch damit ist das Wasserproblem nicht gelöst.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Das Wasser kommt - und zwar mit der Bahn. In der südindischen Millionenstadt Chennai, wo die Menschen seit Wochen unter der extremen Wasserknappheit leiden, ist jetzt der erste Versorgungszug mit Wasser eingetroffen.

Das Wasser stammt aus dem Mettur-Staudamm, einem der größten Wasserreservoirs des Landes und wurde in 50 Waggons nach Chennai transportiert. Weitere Versorgungszüge sollen folgen, sagte der Regierungschef des Bundesstaates Tamil Nadu, S.P. Veluman.

"Diese erste Lieferung aus Jolarpettai umfasst 2,5 Millionen Liter Wasser. Jeder Waggon ist mit 50.000 Litern gefüllt. Und wir planen, dass weitere zehn Millionen Liter in den kommenden Tagen hier eintreffen werden und dann unter der Bevölkerung verteilt werden."

Wasserzug in Indien | Bildquelle: AP
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2,5 Millionen Liter Wasser bringt der Zug in die Millionenmetropole Chennai.

Wenig Regen - Wasserreservoirs erschöpft

Die Vorräte in den Wasserreservoirs von Chennai sind weitgehend erschöpft, weil in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig Regen fiel. Die Versorgung mit Leitungswasser für die rund 4,5 Millionen Einwohner wurde bereits um 40 Prozent gekürzt.

Dabei ist nicht nur die Millionenstadt Chennai von der Wasserkrise in Indien betroffen. Durch Misswirtschaft und exzessive Grundwasserentnahme könnte schon im nächsten Jahr, Schätzungen zufolge, 21 größeren Städten in Indien das Wasser ausgehen.

Selbst in der indischen Hauptstadt gibt es Stadtteile, in denen Trinkwasser und Brauchwasser mit Tankwagen herangebracht und verteilt werden muss.

Streit um gerechte Wasserverteilung

Streit unter den wartenden Hausfrauen, um die gerechte Verteilung des knappen Wassers ist programmiert. "Das Problem ist, dass wir nicht genug Wasser bekommen. Ich habe eine große Familie und wir bekommen gerade mal sechs Liter Wasser, alle drei Tage. Wie soll das denn reichen? Wie sollen wir uns denn waschen, wenn wir nicht mal genug Wasser zum Trinken haben?", sagt eine Frau.

Eine andere Frau erzählt, sie wohne jetzt seit 40 Jahren hier und das Problem mit dem Wasser sei nie gelöst worden:

"Vor den Wahlen kommen die Politiker und wollen, dass man ihnen seine Stimme gibt. Und jetzt? Sie sollen mal herkommen und ihr Gesicht zeigen. Wir haben kein Wasser und das bei dieser Hitze."

Arbeiter pumpen Wasser aus einem Zug in Indien. | Bildquelle: AFP
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Jeder Waggon des eingetroffenen Versorgungszuges ist mit 50.000 Litern Wasser gefüllt.

Verschmutzte Flüsse

Delhi, ebenso wie andere Großstädte in Indien, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Flüsse sind verschmutzt und die Hauptstadt ist auf Wasser aus den angrenzenden Bundesstaaten angewiesen. Es werde zu viel Grundwasser entnommen, klagt Avinash Kumar, Direktor des Programms für Wasserversorgung:

"Delhis Grundwasserspiegel sinkt in manchen Bereichen um zwei Meter pro Jahr. Es gibt einfach keine Regulierung der Wasserentnahme. Weder in den einzelnen Bundesstaaten noch auf nationaler Ebene. Und irgendwann muss man sich Gedanken darüber machen, wie man das Wasser so verteilt, dass auch diejenigen noch etwas bekommen, die es sich nicht leisten können, Wasser zu kaufen. Damit auch die überleben können."

Klimawandel besonders in Indien spürbar

Doch es ist nicht nur das schlechte Wasser-Management. Indien gehört auch zu den Ländern, die die Auswirkungen des Klimawandels am meisten zu spüren bekommen. In weiten Teilen des  Landes kommt der Monsun seit Jahren immer später, ist kürzer und fällt schwächer aus. Die Folge: Wasservorräte können nicht genügend aufgebaut werden.

Indiens Wasserkrise - Versorgung mit der Bahn
Bern Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
13.07.2019 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2019 um 12:10 Uhr.

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