Menschen an Bord des "Freundschaftsexpress" zwischen Indien und Pakistan | Bildquelle: AP

Pakistan und Indien Der "Freundschaftsexpress" fährt wieder

Stand: 05.03.2019 11:38 Uhr

Im Kaschmirkonflikt setzen die Erzfeinde Pakistan und Indien auf Entspannung: Eine wichtige Zugverbindung hat ihren Betrieb wieder aufgenommen. Auch Schulen und Geschäfte sind wieder offen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Ein Gefühl der Entspannung macht sich breit, im Konflikt zwischen Pakistan und Indien. Im Bahnhof von Attari, auf der indischen Seite der Wahga-Border, dem wohl berühmtesten Grenzübergang zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten, ist der "Samjhauta Express", auch "Freundschaftsexpress" genannt, angekommen.

Zum ersten Mal wieder, seit die Verbindung wegen der indischen Luftangriffe auf ein Terrorcamp in Pakistan eingestellt worden war. Der sogenannte Freundschaftsexpress verbindet die pakistanische Stadt Lahore mit dem Ort Attari und fährt dann weiter bis nach Delhi.

"Allah sei Dank"

Die meisten Passagiere seien Inder gewesen, die aus Pakistan zurückgekehrt seien, sagte Bahnhofsvorsteher Gupta einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. 176 Menschen seien an Bord dieses Zuges aus Lahore gewesen, darunter der Lokführer und ein Schaffner. "Das heißt, es waren 174 Passagiere - 160 Inder und 14 Pakistanis."

Auf dem Bahnsteig in Attari herrschte dichtes Gedränge, denn der Zug, der normalerweise zwei Mal pro Woche verkehrt, war nun schon mehrere Male ausgefallen.

Ursache des Kaschmir-Konflikts

Bis 1947 war der indische Subkontinent eine britische Kronkolonie. Mit einer Besonderheit: Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte in einem von mehr als 500 Fürstenstaaten, die nicht direkt britischer Herrschaft unterstanden.

Mit der Unabhängigkeit wurde Britisch-Indien geteilt in das von Hindus dominierte, säkulare Indien und die spätere islamische Republik Pakistan.
Den Fürstenstaaten war es freigestellt, ob sie unabhängig bleiben, oder sich einem der beiden Nachfolgestaaten anschließen wollten.

So auch Kaschmir: Dort lebten zwar mehrheitlich Muslime, die Führung jedoch hatte ein hinduistischer Maharadscha. Der kämpfte zunächst für die Unabhängigkeit. Als pakistanische Milizen das Gebiet erobern wollten, schloss er sich Indien an.

Was folgte war der erste Indisch-Pakistanische Krieg um Kaschmir, der 1949 in der Teilung des Gebietes mündete. Die Grenzlinie zwischen dem von Pakistan und dem von Indien verwalteten Teil gilt noch immer - genauso wie der Anspruch beider Seiten auf ganz Kaschmir.

"Allah sei Dank", sagte Nadeem, ein Passagier aus Pakistan. Er hoffe, dass die Verbindung jetzt offen bleibe, damit er mit seiner Familie auf der anderen Seite der Grenze in Kontakt bleiben könne. Auch Zaina, eine Frau aus Pakistan, hofft, dass es zwischen den beiden Nachbarländern jetzt friedlich bleibt. Es seien doch alle glücklich, wenn sie hin und her reisen könnten.

Luftraum wieder freigegeben

Auch entlang der sogenannten "Line-of-Control", die in Kaschmir die von Pakistan und Indien beanspruchten Gebiete voneinander abtrennt, hat sich die Lage offensichtlich entspannt.

Zwar gibt es immer wieder kleinere Gefechte und Granatbeschuss, doch wurden inzwischen im pakistanischen Grenzgebiet die Schulen und Geschäfte wieder geöffnet, wie der Schulleiter in Chakhoti, Chaudry Gul Hassan, einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte.

"Am 26. Februar wurden die Schulen geschlossen, nachdem Indien plötzlich angegriffen hatte. Das hat allen Angst gemacht und viele Leute sind von hier weggegangen", sagte Chakhoti. Zudem sei das Wetter schlecht gewesen, es habe geregnet und geschneit. "Das war eine schwierige Zeit für die Menschen. Aber jetzt hat die Regierung entschieden, die Schulen wieder zu öffnen."

Auch der Luftraum über Pakistan wurde wieder freigegeben. Seit knapp einer Woche mussten internationale Fluggesellschaften auf der Strecke zwischen Südostasien und Europa einen großen Umweg fliegen.

Freundschaftsexpress fährt wieder
Bernd Musch-Borowska, NDR Neu-Delhi
05.03.2019 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. März 2019 um 11:20 Uhr.

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