Indiens Premier Narendra Modi | dpa

Erstmals Datum genannt Indien will Klimaneutralität bis 2070

Stand: 01.11.2021 21:52 Uhr

Indien gilt als drittgrößter Verursacher von CO2-Emissionen, bei relativ geringem Pro-Kopf-Ausstoß. Nun verkündete das Land, bis wann es klimaneutral sein will: 2070. Premier Modi kämpft vor allem für Klimagerechtigkeit.

Indien hat erstmals ein Ziel für seine Klimaneutralität genannt: Wie Premier Narendra Modi auf der COP26 in Glasgow bekannt gab, strebt das Land diesen Status bis zum Jahr 2070 an. Allerdings liegt Indien als drittgrößter CO2-Emittent damit weit hinten: Nach UN-Angaben haben sich mehr als 130 Länder das Ziel gesetzt, die Treibhausgas-Emissionen bereits bis 2050 auf Null zu reduzieren.

Neben dem Ziel für die Klimaneutralität kündigte Modi Nachbesserungen in weiteren Bereichen an. Demnach will Indien auch den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreiben und bis 2030 eine Gesamtkapazität durch nicht-fossile Energieträger von 500 statt wie bisher 450 Gigawatt erreichen. Ebenfalls bis 2030 sollen 50 Prozent des Energiebedarfs in Indien aus Erneuerbaren gedeckt werden. Die sogenannte Kohlenstoffintensität der indischen Wirtschaft soll bis zum Ende des Jahrzehnts um 45 Prozent reduziert werden. Bisher geplant waren 35 Prozent. 

Seine CO2-Bilanz verringern will Indien nach den Worten Modis unter anderem mit Hilfe seines riesigen Bahnnetzes. Jedes Jahr nutzten mehr Menschen das indische Bahnsystem als die Welt Bewohner habe, betonte Modi. "Dieses riesige Bahnnetz hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Diese Initiative allein wird die Emissionen um jährlich 60 Millionen Tonnen reduzieren."

Modi fordert erneut Finanzhilfen

Modi betonte, dass die Zusagen Indiens und anderer Schwellenländer zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen Finanzhilfen der reichen und historisch größten Emittenten voraussetzten. Die bisherigen Zusagen der Staaten im Bereich der Klimafinanzierung kritisierte Modi als "hohl". Die reichen Staaten müssten "so schnell wie möglich" Klimahilfen in Höhe von einer Billion Dollar bereitstellen, forderte er.

Indien ist zwar der drittgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen weltweit. Allerdings weist das Land im Vergleich zu den anderen großen Wirtschaftsnationen die geringsten Pro-Kopf-Emissionen auf. So ist die indische Bevölkerung für nur fünf Prozent der global ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich - und dies, obwohl Indien allein 17 Prozent der Weltbevölkerung stellt.

Nach Angaben des indischen Umweltministeriums produziert jeder Inder etwa 1,9 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, gegenüber 7,1 Tonnen für den Durchschnittsbürger der Europäischen Union, 8,4 Tonnen für einen Chinesen und 18 Tonnen für den durchschnittlichen US-Bürger. 

Regierung will für "Klimagerechtigkeit" kämpfen

Indien fordert seit langem, dass die europäischen und nordamerikanischen Staaten den Löwenanteil der Kosten für die Klimakrise tragen müssten, da sie historisch die größten Emittenten seien und ihre Industrialisierung auf dem Rücken der ganzen Welt vorangetrieben hätten. Vor Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow hatte die Regierung in Neu Delhi angekündigt, dort für "Klimagerechtigkeit" zu kämpfen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2021 um 05:08 Uhr.