Eine medizinische Mitarbeiterin der Oxford Universität spritzt einem Probanden eine Injektion.  | Bildquelle: dpa

Serum gegen Coronavirus Impfstoffproduktion schon in zwei Wochen?

Stand: 05.05.2020 10:16 Uhr

In Indien sitzt der größte Impfstoffhersteller der Welt. Dort soll in zwei Wochen mit der Produktion eines Serums gegen das Coronavirus begonnen werden, obwohl die Tests noch nicht abgeschlossen sind.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Sie nennen ihn den "Impfstoff-König von Indien": Seit mehr als 50 Jahren lässt Cyrus Poonawalla Impfungen herstellen gegen Polio, Tetanus, Masern, Mumps und Röteln. Und zwar so viele Dosen, dass sein Unternehmen - das Serum Institute of India - heute der größte Impfstoffhersteller der Welt ist. Vor allem dank seines Sohnes Adar Poonawalla, der mittlerweile der Geschäftsführer ist und sich selbst gerne als sehr risikofreudig einschätzt.

Was sich nun absolut bestätigt, denn er setzt in Zeiten der Corona-Pandemie alles auf ein Serum, das von der University of Oxford entwickelt wurde. Es ist derzeit noch in der Testphase, wird aber bereits an mehr als 1000 Menschen in Großbritannien ausprobiert.

Cyrus Poonawalla | Bildquelle: imago/Hindustan Times
galerie

Cyrus Poonawalla gilt als der "Impfstoff-König von Indien". Sein Unternehmen will in Kürze ein Serum gegen das Coronavirus produzieren. (Archivbild)

Zunächst 40 Millionen Impfdosen geplant

Im Interview mit dem indischen Nachrichtensender NDTV sagte Adar Poonawalla: "Diese Tests könnten sich bis September oder Oktober als erfolgreich und sicher herausstellen. Aus meiner Sicht stehen die Chancen gut, weil die Forscher aus Oxford auch mit der Impfung gegen Ebola erfolgreich waren." Er habe entschieden, die Herstellung von anderen Impfmitteln beiseite zu legen, damit - sobald die Tests abgeschlossen sind - eine Impfung für Indien und die Welt bereitgestellt werden kann. "Und wir eben nicht erst noch weitere sechs Monate warten müssen, bis genügend von dem Impfstoff hergestellt werden kann."

In zwei Wochen soll die Produktion beginnen. Insgesamt plant Poonawalla in den nächsten Monaten die Herstellung von bis zu 40 Millionen Impfdosen.

Eine Dosis für zwölf Euro

Falls die Impfung erfolgreich ist, könnten es durchaus mehr werden. Dabei gehe es ihm nicht um den Profit, betonte der "Impfstoff-Prinz" von Indien. Sein Unternehmen wolle das mögliche Serum gegen Corona nicht patentieren lassen: "Bislang haben wir alle unsere Impfstoffe zu einem erschwinglichen Preis angeboten. Das werden wir auch weiterhin tun.

Wir denken darüber nach, eine Dosis für zwölf Euro zu verkaufen." Allein ein Test auf Corona koste fast das Fünffache. "Wir reden über ein Mittel, das Sie vielleicht für einige Monate oder den Rest Ihres Lebens retten könnte", so Adar Poonawalla.

Hersteller spricht von "Hoffnungsschimmer"

Die Forscher gehen bislang davon aus, dass diese Impfung eine einmalige wäre, also nicht in mehreren Dosen gespritzt werden müsste. Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes viele Jahre. Sie kommt also praktisch immer zu spät für einen aktuellen Ausbruch.

Dieses Mal solle es schneller gehen, sagte Poonawalla. Covid-19 beträfe immerhin die gesamte Welt: "Ich muss dazu sagen, es gibt derzeit weder eine wirksame Impfung noch ein Medikament. Bitte stellen Sie keine Empfehlungen aus. Sie können Ihre Hypothesen haben. Aber wir müssen warten, bis die Tests abgeschlossen sind. Dennoch kann ich sagen, dass es einen Hoffnungsschimmer gibt, schon in den nächsten Monaten."

Im besten Fall also wäre ein Impfstoff günstig und schnell verfügbar, im schlechtesten Fall würde das indische Institut große Verluste machen.

Indien: Millionenfache Herstellung von Corona-Impfstoff
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
05.05.2020 08:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 am 05. Mai 2020 um 14:20 Uhr.

Darstellung: