Ein Konvoi der indischen Armee fährt auf der Autobahn Srinagar-Ladakh im indisch kontrollierten Kaschmir. | Bildquelle: dpa

Indisch-chinesischer Grenzkonflikt Entspannung nicht in Sicht

Stand: 16.09.2020 01:44 Uhr

Statt Entspannung im indisch-chinesischen Grenzkonflikt gibt es einen militärischen Aufmarsch und Vorwürfe auf beiden Seiten. Dabei gab es zuletzt Versuche der Entschärfung.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Der Grenzkonflikt mit China sei nicht vorüber, bekräftigte Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh während der Parlamentssitzung in Delhi. Wenige Tage nach der Vereinbarung zwischen den Außenministern der beiden Atommächte, die Spannungen entlang der Grenzlinie im Himalaya zu entschärfen, verstärkt sich der militärische Aufmarsch im Himalaya.

Kampfjets der indischen Luftwaffe überfliegen die Region, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war. Indien habe seine Investitionen in die Verstärkung der Grenze verdoppelt, so Rajnath Singh vor den Abgeordneten der Lok Sabah.

"Die Regierung hat das Budget für die Verbesserung der Grenzbefestigung verdoppelt. Dadurch werden jetzt mehr Straßen und Brücken in dieser Region gebaut."

Schusswechsel im Juni

China macht das Gleiche, und so verstärken sich die Spannungen entlang der inoffiziellen Grenzlinie zwischen dem indischen Hochgebirgsterritorium Ladakh und der von China kontrollierten Autonomen Region Tibet. Seit Monaten geraten die Grenzsoldaten beider Seiten immer wieder aneinander. Bei Schusswechseln im Juni soll es auf beiden Seiten Tote gegeben haben. Bestätigte Zahlen dafür gibt es nicht.

China habe alle Vereinbarungen bezüglich des Verlaufs der sogenannten Line of Actual Control LAC verletzt, so Verteidigungsminister Singh während der Debatte im Parlament in Delhi.

"Die jüngsten Zwischenfälle, die von den chinesischen Soldaten provoziert wurden, sind ein Verstoß gegen unsere gemeinsamen Übereinkünfte. Die chinesische Seite hat in großem Umfang Streitkräfte an der Grenzlinie mobilisiert, entlang der LAC und im Hinterland. Ich möchte aber dem Parlament versichern, dass, obwohl wir eine friedliche Lösung anstreben, unsere Streitkräfte bereit sind, für alles, was da passieren kann."

Militärübungen im Grenzgebiet

Am vergangenen Wochenende startete in Tibet eine groß angelegte Militärübung auf 5.000 Metern Höhe, mit Panzern und anderen schweren Waffen. Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Filmmaterial des chinesischen Staatsfernsehens CCTV vom Manöver der chinesischen Streitkräfte, an dem Einheiten mehrerer Waffengattungen beteiligt waren. 

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, wies aber Vorwürfe der indischen Seite zurück, China habe Kabel im Grenzgebiet verlegt, zur Verbesserung der militärischen Kommunikation.

"Soweit ich weiß sind diese Informationen nicht korrekt. Die Außenminister Chinas und Indiens haben bei ihrem Treffen in Moskau vereinbart, die Spannungen entlang der Grenze nicht eskalieren zu lassen und auf den üblichen Kommunikationskanälen im Gespräch zu bleiben."

Ein direkter Krieg zwischen Indien und China liegt nicht im Interesse der beiden Länder. Dabei ist China dem Rivalen Indien militärisch haushoch überlegen. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI in seinem jüngsten Bericht feststellte, wendet China jährlich über 260 Milliarden US-Dollar für sein Militär auf, Indien nur rund 71 Milliarden. Auch bei den Atomwaffen steht China weit vorne. Dem SIPRI-Bericht zufolge verfügt China schätzungsweise über 320 nukleare Sprengköpfe, Indien über etwa 150.

Indien - Grenzkonflikt mit China ist nicht vorüber
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
15.09.2020 23:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: