Die Seniorin Maria Hesemann-Peters wird im Impfzentrum in den Emslandhallen von Notfallsanitäter Bernd Rode vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus geimpft.  | dpa

Impfquoten in der EU Warum liegt Deutschland nur im Mittelfeld?

Stand: 03.02.2021 03:06 Uhr

Beim Impftempo liegt Deutschland weltweit nur auf Platz 21. Knapp drei Prozent der Deutschen haben bisher eine Impfdosis bekommen. Auch innerhalb der EU erreicht Deutschland nur einen Platz im Mittelfeld. Woran liegt das?

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Beim Impftempo liegt Deutschland nur im Mittelfeld in der Europäischen Union. Davor liegen Länder wie Irland, Portugal, Italien und Spanien. Und ganz vorn: Dänemark. Keiner in der EU impft schneller als die Dänen. 4,66 Prozent der Bevölkerung sind in Dänemark inzwischen gegen das Corona-Virus geimpft, in Deutschland sind es mit 2,95 Prozent deutlich weniger.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Was haben die Dänen anders gemacht? Schon vor Wochen konnten in den Altenheimen alle Impfwilligen ihre Dosis bekommen, und mit ihnen auch Ärzte und Pfleger. Und das, obwohl auch in Dänemark nur die beiden Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung stehen. Das Land ist also genauso von den Lieferengpässen betroffen wie Deutschland.

Praktische Gründe für Impfvorsprung der Dänen

Aber Dänemark hat sich früher auf die Verknappung eingestellt, das lobt der Arzt und Europaabgeordnete der FDP, Andreas Glück. Der Impfvorsprung der Dänen hat aus seiner Sicht vor allem praktische Gründe.

Unter anderem die Tatsache, dass Dänemark schon viel früher angefangen hat, eine sechste und auch eine siebte Dose aus den Ampullen von Biontech/Pfizer zu entnehmen.

Dafür seien bestimmte Voraussetzungen bei der Impfstoffentnahme nötig: "Unter anderem, dass man Feindosierspritzen verwendet, mit denen man besonders genau eine bestimmte Menge entnehmen kann und ein bis zwei Dosen mehr aus der Ampulle rausbekommt. Diese Voraussetzungen haben andere in Europa wohl schneller erfüllt als wir."

Deutschland hat Puffer eingerechnet

In Deutschland haben sich die meisten Bundesländer dafür entschieden, nur die Hälfte der gelieferten Impfstoffdosen zu spritzen. Die andere Hälfte wird zurückgelegt, damit drei Wochen später die nötige zweite Impfdosis auch garantiert vorhanden ist.

Der Vorteil: es gibt einen Sicherheitspuffer im Fall von Lieferengpässen. Der Nachteil: es können nicht so viele Menschen in kurzer Zeit geimpft werden. Mecklenburg-Vorpommern geht einen anderen Weg: Da wird in der Regel gespritzt, was ankommt. Mit dem Ergebnis, dass die Impfquote im Moment höher ist.

Probleme schon bei der Terminvergabe

In Dänemark kommt dazu der Vorteil, dass alle Patientendaten digitalisiert sind. Die Behörden können schnell und einfach auf die zentral gespeicherten Daten zurückgreifen - auch bei der Terminvergabe.

Dass schnelles Impfen in Deutschland oft schon bei der Terminvereinbarung scheitert, weil die Hotline im entscheidenden Moment zusammenbricht - das hat bei Europa-Abgeordneten für Stirnrunzeln gesorgt: "Ich finde, man sollte sich da das Beispiel an den Bundesländern nehmen, die das Ganze gut hinbekommen haben, zum Teil auch unter Zuhilfenahme externer Expertise. Denn es kann nicht sein, dass Menschen, die dringend auf eine Impfung warten, erstmal stundenlang in Hotlines hängen", sagt die Grünen-Abgebordnete Jutta Paulus.

Auch sie hat praktische Erfahrung im Gesundheitswesen, als approbierte Apothekerin. Und sie gehört zu den deutschen Abgeordneten, die Konsequenzen fordern aus den Fehlern beim Impfstart. "Für das zweite Quartal, wo ja mehr Impfstoff zu erwarten ist, wäre es aus meiner Sicht unabdingbar, einen Plan zu haben, wieviel Impfstoff brauche ich wo? Wo leben wie viele Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören? Denn nichts wäre ärgerlicher, als dass wir endlich genügend Impfstoff haben, aber die Menschen, die ihn am meisten benötigen, bekommen ihn nicht."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Februar 2021 um 12:05 Uhr.

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Moderation 03.02.2021 • 13:23 Uhr

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