Kanzler Kurz nimmt Maske ab | dpa

Impfkampagne in Österreich Kurz kritisiert Selbstbedienungsmentalität

Stand: 21.01.2021 11:51 Uhr

Österreich lässt, wie die Deutschen, zuerst Pflegeheimbewohner und medizinisches Personal impfen - eigentlich. Manche wurden aber geimpft, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Dreieinhalb Wochen nach Beginn der Impfungen haben in Österreich rund 150.000 Menschen das BioNTech Pfizer Vakzin injiziert bekommen. Das sind etwas mehr als 1,6 Prozent der Bevölkerung - so eine Prognose des Gesundheitsministeriums, die auf den ausgelieferten Impfdosen des Vortags basiert. Zuerst sollten in der ersten Phase, wie es der landesweite Impfplan vorsieht, "Bewohner und Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen im Gesundheitsbereich und erste Hochrisikogruppen" geimpft werden.

Bürgermeister und Angehörige erhielten Impfung

Doch in einigen Bundesländern, wie in Tirol, Kärnten, der Steiermark, Wien und Vorarlberg, ließen sich auch Kommunalpolitiker, Gemeindeangestellte und Angehörige impfen. Sie erhielten übrig gebliebenen Impfstoff, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren. So etwa Wolfgang Matt, Bürgermeister von Feldkirch, der am Wochenende in einem kommunalen Seniorenheim geimpft wurde.

Die dortige Ärztin, Susanne Furlan, habe sich unter Hinweis auf die Impfreihenfolge geweigert, die Impfung vorzunehmen, wie sie im ORF-Radio schilderte: "Da habe ich gesagt, nein. Ich bin nicht bereit, Sie zu impfen, weil Sie einfach nicht in diese Gruppe gehören, die jetzt angemeldet ist. Sie können sich dann impfen lassen, wenn Sie soweit sind, das heißt in der letzten Phase, wo die Politiker auch dabei wären."

Peter Hacker | dpa

Auch wer sich unberechtigt hat impfen lassen, bekommt binnen drei bis vier Wochen jetzt auch die zweite Dosis, heißt es aus dem Büro von Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat in Wien Bild: dpa

"Absolut inakzeptabel"

Die Fälle häuften sich. Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz sprach verärgert von mehr als zehn Bürgermeistern, die so gehandelt hätten.

"Ich halte das für inakzeptabel, und ich glaube, jeder weiß, wie er in so einer Situation dann eigentlich auch zu reagieren hätte. Wichtig ist mir vor allem aber, dass das jetzt nicht weiter stattfindet. Das ist nämlich absolut inakzeptabel. Wir müssen die älteren Menschen schützen."

Gleichermaßen verständnislos Vize-Kanzler Werner Kogler von den Grünen: "Ich finde das erstens empörend und vor allem auch nicht hinnehmbar. Das heißt, diese unrühmliche Praxis hat abgestellt zu werden - und zwar von den Landeshauptleuten und den Gesundheitsreferenten. Ich appelliere noch einmal an die Landeshauptleute, entsprechend einzuwirken, auch was etwaige Rücktritte betrifft."

Es herrscht Impfstoffmangel

Von "Impfvordränglern" schrieben österreichische Zeitungen wie der "Standard". Nur wenige Tage nach Beginn der ersten Impfphase hatte die Bundesregierung die Durchführung der Impfungen an die Bundesländer delegiert - und damit auch die Verantwortung durch die Einhaltung der Impfreihenfolge. Mit der Auslieferung ausreichender Impfdosen, für die der Bund zuständig ist, hapert es derzeit.

Es herrsche derzeit noch "akuter Impfstoffmangel", teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober mit. Deshalb habe Österreich zusätzliche 3,8 Millionen Dosen von BioNTech Pfizer bestellt - dabei handelt es sich um das Kontingent Österreichs an den EU-Bestellungen aus dem zweiten Vorkaufsvertrag mit dem Unternehmen. Diese Impfstoffe würden, so Anschober, allerdings erst zwischen April und September ausgeliefert werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2021 um 13:19 Uhr.