Polizisten untersuchen nach dem Anschlag bei Nürnberg die Bahngleise | Bildquelle: dpa

Nach Bahn-Anschlägen Österreich spricht von Terrorzelle

Stand: 28.03.2019 14:37 Uhr

Der in Wien gefasste mutmaßliche Bahn-Attentäter behauptet, alleine gehandelt zu haben. Doch nach Angaben der österreichischen Regierung gab es zwei weitere Festnahmen. Innenminister Kickl spricht von einer Terrorzelle.

Im Fall der Anschläge auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin sind nach Angaben der österreichischen Regierung zwei weitere Verdächtige gefasst worden. Wie der österreichische Innenminister Herbert Kickl im Parlament in Wien sagte, wurden in Prag "zwei weitere mutmaßliche Terroristen" festgenommen. Die beiden hätten mit dem Iraker, der in Wien festgenommen worden war, "eine gemeinsame Zelle gebildet".

Österreichs Innenminister Kickl | Bildquelle: dpa
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Innenminister Kickl spricht im Zusammenhang mit den Festnahmen von Terror.

Eine Sprecherin der tschechischen Polizei bestätigte die Festnahmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die beiden ausländischen Staatsangehörigen seien am Mittwoch kurz nach ihrer Landung auf dem Prager Flughafen auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls gefasst worden. Dieser sei vom österreichischen Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ausgestellt worden.

Landgericht prüft Untersuchungshaft

Wie mit dem festgenommenen 42-jährigen Iraker weiter verfahren wird, könnte sich noch im Laufe des Tages entscheiden. Das Landgericht berät über die Verhängung einer Untersuchungshaft. Das gelte auch für seine ebenfalls festgenommene Frau, sagte eine Gerichtssprecherin.

Dem Mann wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Er will nach bisherigen Aussagen allein gehandelt haben. Einen terroristischen Hintergrund bestreitet er. In Deutschland liegt jedoch ein Haftbefehl gegen ihn vor wegen terroristischer Straftaten, versuchten Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. In der Nähe beider Tatorte bei Nürnberg und Karlshorst fand die Polizei IS-Flaggen und mehrseitige Bekennerschreiben.

Laut einem Bericht der österreichischen "Kronen Zeitung" gab der Ex-Militär in Vernehmungen an, aus Rache auf den Westen und speziell auf Deutschland gehandelt zu haben. Er sei bei einem Militäreinsatz an der irakisch-türkischen Grenze von einer Bombe verletzt worden. Die Anschläge seien Teil eines persönlichen Feldzugs, aber kein Akt eines Terrornetzwerks.

Bei den Anschlägen sollten quer über den Schienen gespannte Stahlseile Züge zum Entgleisen bringen. Verletzt wurde niemand. Dem Iraker, der als anerkannter Flüchtling seit 2012 in Österreich lebt, droht eine lebenslange Haftstrafe.

Österreichs Innenminister Kickl spricht von Terrorzelle und weiteren Festnahmen
Clemens Verenkotte, ARD Wien
28.03.2019 18:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 28. März 2019 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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