Demonstranten in Hongkong | Bildquelle: REUTERS

Proteste in Hongkong Trauer schlägt teils in Gewalt um

Stand: 09.11.2019 07:30 Uhr

Nach dem Tod eines Studenten im Zusammenhang mit den Protesten haben sich in Hongkong Tausende versammelt, um gemeinsam zu trauern. Wieder kam es zu Gewaltausbrüchen.

Von Benjamin Eyssel, RBB, zzt. Hongkong

An verschiedenen Orten in der Stadt kamen Menschen zusammen, zündeten Kerzen an, legten Blumen nieder und sangen gemeinsam Lieder. Zu einem zentralen Treffpunkt für trauernde Pro-Demokratie-Aktivisten ist das Parkhaus geworden, in dem der 22-jährige Stundent in der Nacht von Sonntag auf Montag rund vier Meter in die Tiefe gestürzt war. Dabei zog er sich schwere Verletzungen am Kopf zu. Gestern früh stellten die Ärzte seinen Tod fest.

Gedenken an den gestorbenen Studenten in Hongkong | Bildquelle: AP
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Gedenken im Parkhaus: Hier stürzte der 22-Jährige aus noch ungeklärter Ursache in den Tod.

Tränengas und Warnschüsse

Neben friedlichen Gedenkveranstaltungen kam es auch wieder zu gewalttätigen Protesten. In verschiedenen Stadtteilen der ehemaligen britischen Kolonie haben einzelne Demonstranten Straßensperren errichtet, sie legten Feuer und verwüsteten Läden, die sie mit Festlandchina in Verbindung bringen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Aktivisten vor. Im Stadtteil Yau Ma Tei gab ein Polizist nach Informationen der Zeitung "South China Morning Post" Warnschüsse mit scharfer Munition ab.

Unglücksursache ungeklärt

Noch immer ist unklar, was in der Nacht von Sonntag auf Montag in dem Parkhaus genau passiert ist. Viele Pro-Demokratie-Aktivisten beschuldigen die Polizei, am Tod des 22-Jährigen schuld zu sein. Polizisten setzten zur Zeit des Vorfalls in der Nähe des Unglücksortes massiv Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Polizei weist jegliche Verantwortung von sich, versprach aber Aufklärung. Unklar ist auch weiterhin, warum die Rettungskräfte länger brauchten als sonst, um zum Unfallort zu gelangen.

Die chinesische Sonderverwaltungsregion kommt seit Monaten nicht zur Ruhe. Am Rande von Anti-Regierungs-Protesten kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen. Ausgelöst wurden die Proteste in Hongkong ursprünglich durch ein umstrittenes Auslieferungsabkommen, das es möglich machen sollte, Verdächtige auch nach Festlandchina zu überstellen. Das Gesetz hat die Regierung der autonom verwalteten Stadt inzwischen zurückgezogen. Nun richten sich die Demonstrationen gegen die Hongkonger Regierung generell, der die Demonstranten zu viel Nähe zur Staats- und Parteiführung in Peking vorwerfen.

Hongkong trauert um toten Studenten
Benjamin Eyssel
09.11.2019 08:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2019 um 08:00 Uhr.

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