Der Sarg des 2005 ermordeten libanesischen Präsidenten Rafik Hariri wird von einer Menschenmasse getragen. | AFP

UN-Tribunal zum Hariri-Attentat Mutmaßliches Hisbollah-Mitglied schuldig

Stand: 18.08.2020 20:45 Uhr

Im Jahr 2005 wurde der damalige libanesische Premier Hariri bei einem Selbstmordattentat in Beirut getötet. Jetzt sieht es ein UN-Tribunal als erwiesen an, dass ein Mann mit Verbindung zur Hisbollah beteiligt war.

Mehr als 15 Jahre nach der Ermordung des früheren libanesischen Premiers Rafik Hariri hat das Sondertribunal zum Libanon einen von vier Angeklagten schuldig gesprochen. Der Libanese Salim Dschamil Ajjasch sei an dem Terroranschlag beteiligt gewesen, urteilten die Richter in Leidschendam bei Den Haag. Über das Strafmaß werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Drei weitere Angeklagte, die wie Ajjasch trotz internationaler Haftbefehle flüchtig sind, wurden mangels Beweisen freigesprochen.

Am 14. Februar 2005 hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, als Hariris Autokolonne im Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut vorbeifuhr. Außer dem 60 Jahre alten sunnitischen Politiker starben noch 21 Menschen, 226 wurden verletzt. Das Entsetzen im Libanon und die internationale Empörung waren groß.

Rafik al-Hariri  | REUTERS

Der ermordete libanesische Präsident Hariri genießt bei vielen Libanesen bis heute großes Ansehen. Bild: REUTERS

Verurteilter hat Verbindung zur Hisbollah

Die Richter sagten, es stehe außer Zweifel, dass Ajjasch "eines der sechs vom Attentatsteam verwendeten Mobiltelefone" besessen habe. Er sei schuldig, einen Terroranschlag und einen Mord begangen zu haben. "Die Beweise zeigen auch, dass Herr Ajjasch eine Verbindung zur Hisbollah hatte", sagte Richterin Micheline Braidy bei der Verlesung einer Zusammenfassung des 2600 Seiten umfassenden Urteils. Die drei anderen Angeklagten sind ebenfalls mutmaßliche Mitglieder der islamistisch-schiitischen und pro-syrischen Miliz.

Für eine Verstrickung der Führung der Hisbollah oder Syriens in das Attentat fand das Sondertribunal allerdings keine Beweise. Zwar mögen beide "Motive gehabt haben, Herrn Hariri und einige seiner politischen Verbündeten zu beseitigen", sagte David Re, Chefrichter am Sondertribunal für den Libanon. Der damalige Premier habe sich in den Monaten vor seinem Tod für einen verminderten militärischen Einfluss Syriens in seinem Land eingesetzt - und wiederum weniger Einfluss der Hisbollah in Syrien befürwortet. Doch gebe es keine Beweise dafür, dass die Führung der Hisbollah oder Syriens direkt in den Mord verwickelt gewesen seien.

Sohn des Opfers begrüßt das Urteil

Hariri, ein schwerreicher sunnitischer Geschäftsmann, genießt bis heute bei vielen Libanesen großes Ansehen. Er spielte beim Wiederaufbau des Landes nach 15 Jahren Bürgerkrieg eine zentrale Rolle. Die schiitische Hisbollah, vom Iran unterstützt und mit der syrischen Regierung verbündet, weist bis heute jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück.

Hariris Sohn begrüßte das Urteil des Sondertribunals als "zufriedenstellend". "Wir akzeptieren das Urteil des Gerichts und wir wollen, dass die Gerechtigkeit umgesetzt wird", sagte Saad Hariri. "Heute kennen wir alle die Wahrheit." Mit der Entscheidung habe das Gericht "große Glaubwürdigkeit" bewiesen. Sein Vater sei ermordet worden, weil er gegen die Politik des syrischen Regimes gewesen sei.

Eigentlich sollte das Urteil schon vor anderthalb Wochen verkündet werden. Wegen der Explosionskatastrophe in Beirut mit mehr als 170 Toten und Tausenden Verletzten hatte das Gericht die Urteilsverkündung jedoch verschoben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2020 um 16:00 Uhr.