Kardinal Pell | Bildquelle: AP

Sängerknaben missbraucht Sechs Jahre Haft für Kardinal Pell

Stand: 13.03.2019 06:45 Uhr

Er war die Nummer drei im Vatikan und ein Vertrauter des Papstes. Als bisher ranghöchster Geistlicher wurde Kardinal Pell wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Nun steht fest: Er muss sechs Jahre in Haft.

Der frühere Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Richter Peter Kidd verkündete in Melbourne das Strafmaß gegen den 77-jährigen Australier. Der Kardinal muss mindestens drei Jahre und acht Monate der Strafe absitzen, bevor er einen Antrag auf Bewährung stellen darf.

Vertrauensbruch und Machtmissbrauch

Der Fall Pell bewegt die Australier sehr: Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen hatte es hier zehntausendfach gegeben. Eine königliche Kommission hatte sich in den vergangenen Jahren an eine Aufarbeitung gemacht, aber niemand hatte so polarisiert wie Pell.

"Meiner Meinung nach wiegt das Vergehen erheblich schwerer durch die Begleitumstände: Nämlich den Bruch des Vertrauens und den Missbrauch von Macht", sagte Kidd in seiner Urteilsbegründung. "Meiner Ansicht nach war Ihr Verhalten von erschütternder Arroganz durchdrungen."

Strafmindernd habe sich Pells Alter und die Tatsache ausgewirkt, dass der Kardinal sonst keine Vorstrafen habe. Dass Risiko, dass er zum Wiederholungstäter werde, sei daher gering - daher werde das mögliche Strafmaß von bis zu 50 Jahren nicht ausgeschöpft.

Pell hat Berufung eingelegt

Pell war bereits im Dezember für schuldig befunden worden, in den 1990er-Jahren zwei Sängerknaben in der Saint Patrick's Kathedrale in Melbourne sexuell missbraucht zu haben. Die Opfer waren damals 13 Jahre alt. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblößt, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben. Im folgenden Jahr soll er sich erneut an einem der Jungen vergangen haben.

Pells Anwalt hatte bereits nach dem Schuldspruch Berufung gegen das Urteil eingelegt. Der Berufungsprozess soll voraussichtlich im Juni beginnen.

Der Kardinal hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als "völlig falsch" zurückgewiesen. Vor einer australischen Missbrauchskommission räumte er lediglich Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester in den 1970er-Jahren ein.

Einer der engsten Berater des Papstes

Pell ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes.

Den Schuldspruch gegen Pell hatte der Vatikan im Februar als "schmerzhafte" Nachricht bezeichnet. Vor möglichen Konsequenzen will der Vatikan das Ergebnis der Berufungsverfahrens abwarten. Bis dahin bleibt Pell Priester und Kardinal.

Sechs Jahre Haft wegen Kindesmissbrauchs für Kardinal
Lena Bodewein, ARD Singapur
13.03.2019 06:49 Uhr

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Mit Informationen von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2019 um 04:58 Uhr.

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