Ein Beamter der Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei | Bildquelle: picture alliance / Ralf Hirschbe

Eliteeinheit der Polizei GSG 9 sucht Nachwuchs

Stand: 15.01.2018 05:00 Uhr

Die GSG 9 wird einen zweiten Standort in Berlin erhalten. Doch die Suche nach neuem Personal gestaltet sich schwierig. Denn Bewerber für die Eliteeinheit der Polizei müssen außerordentlich fit, extrem belastbar und ausgebildete Polizisten sein.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Wie viele Männer genau zur GSG 9 gehören, das will Jerome Fuchs nicht sagen. Aus taktischen Gründen behalte man das lieber für sich, so der Kommandeur der GSG 9. Der vor kurzem verstorbene Gründungskommandeur Ulrich Wegener hatte zuletzt von 400 gesprochen.

Fest steht, dass es deutlich mehr werden sollen. Denn die GSG 9 wird, neben ihrem Standort in St. Augustin, einen zweiten Standort in Berlin bekommen. Grund dafür ist die anhaltende terroristische Bedrohung.

"Wenn man sich die vergleichbaren Terrorlagen anschaut europaweit, dann waren oftmals die Hauptstädte betroffen", erklärte Fuchs dem RBB. "Wir müssen uns auf jeden Fall in der Hauptstadt besser aufstellen. Die Zielrichtung ist klar: eine schnelle Reaktionsfähigkeit der GSG 9 in der Hauptstadt."

Jérôme Fuchs, Kommandeur der GSG9 | Bildquelle: Bundespolizei
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Jérôme Fuchs, Kommandeur der GSG9, ist seit 20 Jahren für die Einheit im Einsatz.

Geeignete Bewerber schwer zu finden

Stationiert wird die Einheit voraussichtlich in Spandau. Endgültig entschieden ist das jedoch noch nicht. Im August vergangenen Jahres bündelte die Bundespolizei ihre Spezialkräfte in einer neu geschaffenen Direktion 11: Neben der GSG 9 gehören dazu nun der Flugdienst der Bundespolizei, sowie der Bereich "polizeiliche Schutzaufgaben im Ausland", der an den deutschen Auslandsvertretungen im Einsatz ist.

Personell soll die GSG 9 mit dem Aufbau eines zweiten Standbeins in Berlin deutlich verstärkt werden. "Wir reden über circa ein Drittel der aktuellen Stärke des Verbandes", so Fuchs. "Das ist auch die große Herausforderung für die GSG 9, für diese Stärke den geeigneten Nachwuchs zu bekommen."

Denn geeignete Bewerber sind nur schwer zu finden. Die Eliteeinheit ist dabei nämlich auf Bewerbungen angewiesen. Eine Abordnung aus anderen Spezialeinheiten, die zur GSG 9 der Bundespolizei wechseln könnten, findet nicht statt. Bewerben können sich ohnehin nur ausgebildete Polizistinnen und Polizisten, sagt Fuchs, idealerweise schon mit Berufserfahrung.

Polizisten der Antiterroreinheit GSG 9 (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa
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GSG9-Polizisten sind bei Antiterror-Razzien oder bei der Bekämpfung von schwerer Kriminalität im Einsatz.

50 Mal pro Jahr im Einsatz

Doch die Anforderungen sind sehr hoch. Körperliche Fitness sei dabei nur eine von mehreren Vorbedingungen, und noch nicht einmal die wichtigste, betont der Kommandeur. "Charakterliche Stärke, Teamfähigkeit, große Belastbarkeit, das sind Dinge, auf die wir ganz, ganz großen Wert legen - und Stressresistenz."

Wer es schafft und genommen wird, der bleibt meist lange bei der GSG 9. Fuchs selbst ist seit gut 20 Jahren bei der Einheit. Rund 50 Mal pro Jahr ist die GSG 9 im Einsatz - ob bei Anti-Terror-Razzien oder bei der Bekämpfung von schwerer Kriminalität.

Von anderen Spezial-Einheiten der Polizei unterscheidet sich die GSG 9 dadurch, dass ausschließlich sie über bestimmte Fähigkeiten verfügt. Das gilt insbesondere für Luft-Landeverfahren, Fallschirmspringen, taktisches Einsatz-Tauchen und besonders ausgebildetes Präzisionsschießen. Auch technische Fähigkeiten müssen die GSG 9 mitbringen. Welche das sind, will der Kommandeur lieber für sich behalten.

Neuer Standort gute Ausgangsbasis

Gegründet wurde die Antiterroreinheit 1972. Seitdem hat sie ihren Sitz in St. Augustin bei Bonn. Diesen Standort wolle die GSG 9 auch als Hauptquartier behalten und weiter ausbauen, so Fuchs. "Wir sind da nahezu in der Mitte der Republik lokalisiert. Wir operieren nicht nur in Berlin, sondern deutschland- und weltweit." Darum sei der Standort eine gute Ausgangsbasis.

Die bekannteste Mission der GSG 9 ist bis heute die Erstürmung der entführten Lufthansa-Maschine Landshut in Mogadischu im Jahre 1977. Seitdem ist die GSG 9 ein Mythos.

GSG 9 bekommt Standort in Berlin und sucht Nachwuchs
Michael Götschenberg, ARD Berlin
15.01.2018 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2018 um 01:00 Uhr.

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