Drei Menschen in Schutzausrüstung stehen um das Alpaka Geronimo auf der Shepherds Close Farm in England. | AP

Kontroverse in Großbritannien Alpaka Geronimo eingeschläfert

Stand: 31.08.2021 16:54 Uhr

Demonstrationen und Petitionen mit Zehntausenden Unterschriften blieben wirkungslos: Das Alpaka Geronimo ist laut britischem Landwirtschaftsministerium eingeschläfert worden. Das Tier war positiv auf Rindertuberkulose getestet worden.

Nach einem langen Streit ist das Alpaka Geronimo in England getötet worden. Das Tier sei eingeschläfert worden, um die Ausbreitung der tödlichen und ansteckenden Rindertuberkulose zu verhindern, teilte das Landwirtschaftsministerium in London mit. "Niemand möchte infizierte Tiere töten müssen, wenn es vermeidbar ist", sagte Christine Middlemiss, die oberste Tierärztin der Behörde. Es habe aber keine Alternative gegeben.

Das sieht Geronimos Besitzerin anders: Helen Macdonald forderte bis zum Schluss einen weiteren und - nach ihren Angaben - genaueren Test.

Familie des Premiers Johnson setzte sich für Tier ein

Der Fall Geronimo hatte in Großbritannien über Wochen für Aufsehen gesorgt. Sogar einzelne Familienmitglieder von Premierminister Boris Johnson setzten sich für das Klein-Kamel ein - darunter Vater Stanley Johnson oder auch Johnsons Ehefrau Carrie, die eine engagierte Tierschützerin ist.

Fast 150.000 Menschen unterzeichneten zudem eine Petition, die forderte, das Alpaka zu retten. In London gab es eine Demonstration, auf dem Hof im westenglischen Dorf Wickwar schob eine selbst ernannte Bürgermiliz Wache. Doch letztlich vergebens - das Tier wurde getötet.

Auf einer Wiese in Wooton Under Edge (Großbritannien) campieren Unterstützer des Alpaka Geronimo | dpa

Der Fall Geronimo hatte in Großbritannien über Wochen für Aufsehen gesorgt - es gab Demonstrationen und "Bürgerwachen", um auf das Schicksal des Tieres hinzuweisen. Bild: dpa

Fluchtversuch in letzter Minute war nicht erfolgreich

Vorausgegangen waren dramatische Szenen auf Macdonalds Bauernhof. Mitarbeiter des Agrarministeriums rückten in Schutzkleidung an - mit Polizeibegleitung. Macdonald hatte ursprünglich martialisch angekündigt, sich einer Kugel für Geronimo selbst in den Weg zu werfen. Nun ging es glimpflicher ab. Eine Frau beschoss einen Beamten aus nächster Nähe mit einer Wasserpistole und wurde vorübergehend festgenommen. Ansonsten blieb es bei lauten Beschimpfungen und Schmähungen.

Kurzzeitig gelang es Geronimo noch, zu entkommen. Doch schließlich wurde das Tier eingefangen und in einen Anhänger bugsiert. Wenige Stunden später meldete das Ministerium Vollzug. "Das infizierte Tier wurde aus dem Betrieb verbracht und von Mitarbeitern der Tier- und Pflanzengesundheitsbehörde als notwendige Maßnahme zur Bekämpfung der Ausbreitung der Rindertuberkulose eingeschläfert", teilte die Behörde mit.

Damit sei ein Urteil fristgerecht umgesetzt worden: Ein Gericht hatte dem Ministerium bis zum 4. September Zeit gegeben, Geronimo einzuschläfern. "Wir müssen uns an die wissenschaftlichen Beweise halten und Tiere keulen, die positiv auf Rindertuberkulose getestet worden sind", sagte Cheftierärztin Middlemiss. Das wichtige Ziel sei schließlich, "die größte Bedrohung für die Tiergesundheit in diesem Land auszurotten".

Helen Macdonald führt in Wooton Under Edge (Großbritannien) das Alpaka Geronimo aus dem Stall. | AP

Geronimos Besitzerin Helen Macdonald zweifelte bis zum Schluss das Testergebnis auf Rindertuberkulose an. Bild: AP

Auswirkungen der Seuche

Die Landwirte in Großbritannien spüren die Auswirkungen der Krankheit sehr: Allein im Jahr 2020 mussten mehr als 27.000 infizierte Rinder getötet werden. Die Auswirkungen auf Bauern und Dörfer seien enorm, die Kosten für die Steuerzahler betrügen mehr als 100 Millionen Pfund im Jahr, so das Landwirtschaftsministerium. "Unser Mitgefühl gilt Frau Macdonald und allen anderen, die von dieser schrecklichen Krankheit betroffen sind", sagte ein Regierungssprecher in London.

Mit allen Mitteln versucht die Regierung, die Seuche in den Griff zu bekommen. Seit Jahren ist deswegen zu bestimmten Zeiten und in ausgewiesenen Gegenden das Keulen von Dachsen erlaubt, die die Krankheit ebenfalls übertragen können - auch dies ruft immer wieder lautstarke Proteste hervor. Die Praxis soll von 2022 an auslaufen, trotz des Protests von Landwirten. Alternativen sind aber noch nicht spruchreif.

Über dieses Thema berichtete SWR3 am 28. August 2021 um 11:38 Uhr.