Eine Helferin versucht, vor der Küste Tasmaniens einem von Dutzenden gestrandeten Walen wieder ins Meer zu helfen. | Bildquelle: dpa

Gestrandete Tiere vor Tasmanien Letzter Rettungsversuch für Grindwale

Stand: 24.09.2020 13:48 Uhr

Wie es dazu kam, ist nach wie vor ein Rätsel - Forscher vermuten, dass ein Navigationsfehler die rund 470 Grindwale in Tasmanien stranden ließ. Hunderte Tiere starben. Helfer versuchen in einer letzten Rettungsaktion noch Wale zu retten.

Nach der Massenstrandung von rund 470 Grindwalen an der australischen Insel Tasmanien kämpfen Helfer um das Überleben der letzten verbleibenden Tiere. Rund 20 Tieren soll dabei nach einer Einschätzung von Experten Vorrang gegeben werden, teilten die Einsatzkräfte mit. "Wir erwarten, dass die Zahl noch steigt", sagte Nic Deka von der zuständigen Behörde.

Ein toter Grindwal liegt am Ufer der Macquarie-Bucht in Australien | Bildquelle: AFP
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Etwa 380 Grindwale starben bereits vor Tasmanien - die Zahl könnte noch steigen.

Von den geschätzt 470 Walen seien bisher 88 zurück in tiefere Gewässer gebracht worden. Die Grindwale waren in dieser Woche an mehreren Stellen der Macquarie-Bucht im Westen der Insel gestrandet. Die meisten seien bereits verendet, hieß es.

Helfer hatten die Zahl der toten Wale am Mittwoch auf 380 beziffert. Die Lage vor Ort gestalte sich schwierig, sagte Deka. "Viele der Wale befinden sich unter der Wasseroberfläche, und deshalb haben wir uns nach Kräften bemüht, Zählungen durchzuführen, während wir prüfen, welche Tiere leben und welche tot sind."

Noch 24 Stunden Rettungsaktion

Helfer bei der Rettung von Grindwalen am Ufer der Macquarie-Bucht in Tasmanien | Bildquelle: via REUTERS
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Etwa 70 Grindwale konnten die Helfer bislang retten. Rund 380 Tiere vereendeten vor der Westküste Tasmaniens.

Bei den Zahlen handele es sich um Schätzungen, die sich ändern könnten. Medienberichten zufolge schwimmen junge Wale neben ihren gestrandeten Eltern im seichten Gewässer her. "Das ist echt ein Grauen", zitierte der Sender ABC einen Helfer. Die letzten Rettungsversuche sollen innerhalb der nächsten 24 Stunden abgeschlossen werden. Danach seien die Wale kaum noch lebensfähig, sagte Deka dem Sender.

Vier Wale sollen nach einer Beurteilung durch einen Tierarzt eingeschläfert werden. "Das sind Tiere, denen wir eine Chance gegeben haben. Wir haben versucht, sie freizulassen, und das haben sie nicht gut überstanden", sagte der Biologe Kris Carlyon. Anschließend werden sich die Einsatzkräfte auf die Kadaver konzentrieren. Diese sollen voraussichtlich von einem Lastschiff auf hoher See entsorgt werden. Die Arbeiten werden Behörden zufolge mehrere Tage dauern.

Die bisher größte Strandung vor Tasmanien

Am Montag waren mehr als 250 gestrandete Grindwale in der abgelegenen Macquarie-Bucht entdeckt worden, von denen rund ein Drittel bereits verendet waren. Zwei Tage später wurde nur wenige Kilometer entfernt eine zweite Gruppe von rund 200 gestrandeten Tieren gefunden. Carlyon sprach von der größten bisher vor Tasmanien verzeichneten Strandung.

In Tasmanien stranden Wale recht häufig, meist sind aber weit weniger Tiere betroffen. Zuletzt war in der Gegend eine kleinere Gruppe von Pottwalen an die Küste geraten.

Navigationsfehler könnte Ursache sein

Langflossen-Grindwale, auch Pilotwale genannt, sind sehr soziale Tiere. Mehrere hundert Wale können gemeinsam auf Wanderschaft sein. Dabei folgen die Gruppen einzelnen Leittieren. Diesen schwimmen sie auch in flaches Wasser nach, wo sie sich nicht mehr orientieren können.

Die vor Tasmanien gestrandeten Wale seien möglicherweise an die Küste geschwommen, um zu fressen. Es könne aber auch ein Missgeschick von ein oder zwei Leittieren gewesen sein, die die anderen Mitglieder der Gruppe verleitet hätten, nachzufolgen, sagte Carlyon.

Diese Vermutung wird auch von anderen Experten gestützt. Es gebe mehrere mögliche Gründe dafür, dass Wale an Strände gelangen, darunter auch Navigationsfehler, sagte die Meeresbiologin Vanessa Pirotta. "Sie hören möglicherweise die Laute der anderen Wale, oder sie sind einfach desorientiert und in diesem Fall extrem gestresst und einfach wahrscheinlich so erschöpft, dass sie in manchen Fällen nicht wissen, wo sie sind", sagte Pirotta dem australischen Sender ABC.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. September 2020 um 10:00 Uhr.

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