Mevlut Cavusoglu | Bildquelle: FATIH AKTAS/Turkish Foreign Mini

Streit zwischen Türkei und Griechenland "Wenn das kein Kriegsgrund ist..."

Stand: 30.08.2020 05:35 Uhr

Verbal hat der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um die Ägäis eine weitere Eskalationsstufe erreicht: Sollte Griechenland seine Territorialgewässer ausweiten, wäre das ein Kriegsgrund, hieß es aus Ankara.

Im Streit um den Verlauf der Seegrenze mit Griechenland hat die türkische Regierung den Ton noch einmal verschärft. Sollte Griechenland seine Territorialgewässer in der Ägais ausweiten, wäre das "ein Grund für einen Krieg", sagte Außenminister Mevlut Cavusoglu. Und Vizepräsident Fuat Oktay sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge: "Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?"

"Gegen die internationale politische Kultur"

Das griechische Außenministerium reagierte darauf prompt: Die Taktik der Türkei, ihren Nachbarn mit Krieg zu drohen, wenn sie ihre legalen Rechte in die Tat umzusetzen versuchten, sei "gegen die internationale politische Kultur". Das türkische Parlament hatte allerdings bereits 1995 eine Ausdehnung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis zum Kriegsgrund für die Türkei erklärt.

Aktueller Hintergrund ist offenbar eine Ankündigung der griechischen Regierung vom Mittwoch. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte da im Parlament erklärt, Griechenland dehne seine Hoheitszone im Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen aus.

Das Ionische Meer liegt allerdings nicht zwischen Griechenland und der Türkei sondern zwischen Griechenland und Italien. Über die Festlegung des Festlandsockels sowie der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer sei die Regierung in Athen zum Dialog mit der Türkei bereit, so Mitsotakis. Die AWZ bezeichnet das Meeresgebiet, das über die Hoheitsgewässer eines Landes hinausreicht.

Trotzdem war die Ankündigung aus Athen in Ankara offenbar eher als Drohung aufgefasst worden. In der Ägäis liefert sich Griechenland einen erbitterten Streit mit der Türkei um Meeresgebiete. Die Türkei sucht dort in Gewässern nach Öl- und Gasvorkommen, für die Griechenland exklusive Nutzungsrechte beansprucht, weil die dortigen Inseln zu seinem Territorium gehören. Die türkische Regierung argumentiert dagegen, Inseln sollten bei der Berechnung der Seegrenzen zwischen Ländern nicht berücksichtigt werden.

Völkerrechtlich ist die Festlegung von Seegrenzen tatsächlich kompliziert und wird von den Staaten unterschiedlich ausgelegt, hatte die Seerechtsexpretin Nele Matz-Lück im tagesschau.de-Interview erklärt. Im Falle der Ägäis liegt die besondere Brisanz darin, dass es etliche griechische Inseln gibt, die zwar weit weg vom griechischen Festland liegen - aber direkt vor der Küste der Türkei.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. August 2020 um 09:00 Uhr.

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