Griechische Flaggen für einen Euro in einem Geschäft in Athen | Bildquelle: REUTERS

Ende der Griechenlandhilfen Gerettet - oder kaputtgespart?

Stand: 20.08.2018 16:03 Uhr

Nach acht Jahren Griechenland-Krise haben EU-Spitzen den Abschluss des letzten Rettungsprogramms gefeiert. Deutsche Oppositionspolitiker äußerten sich düster zur Zukunft des Landes.

Von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel

Die ökonomische Rettung Griechenlands ist unumgänglich gewesen und schließlich ein Erfolg. Aus Sicht der Europäischen Union kann man keinen anderen Schluss aus der Tatsache ziehen, dass die Griechen seit dem heutigen Tag finanziell und wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen stehen müssen.

Und für EU-Finanz- und Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici ist klar, dass sie das auch können. Deshalb sei es nun möglich, nach acht schwierigen Jahren einen symbolischen Schlussstrich unter eine existentielle Krise Griechenlands, aber auch des gesamten Euroraums zu ziehen.

"Wir wissen natürlich alle, dass Griechenlands Schulden immer noch Rekordhöhe haben. Aber die Entscheidungen der Euro-Gruppen aus den vergangenen Jahren stellen sicher, dass hier Bedingungen für ein robustes Wachstum geschaffen worden sind, die Griechenland helfen und die für Nachhaltigkeit sorgen", sagte Moscovici.

Griechenland verlässt Euro-Rettungsschirm nach acht Jahren
tagesthemen 21:35 Uhr, 20.08.2018, Christian Feld, ARD Berlin

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Geld gegen Auflagen

Rechnet man alle Hilfsgelder zusammen - die Soforthilfen und die Kredite aus europäischen Rettungspaketen - summieren sich die nach Athen geflossenen Mittel auf etwa 260 Milliarden Euro.

Der weitaus größte Teil davon sind Kredite, die der griechische Staat zurückzahlen muss, wenn auch mit sehr langer Laufzeit.

Um diese gewaltigen Summen zu bekommen, mussten die Griechen drastische Einschnitte in ihre sozialen Sicherungssysteme hinnehmen. Sie mussten kräftig steigende Steuern akzeptieren. Infolge dessen ist die Arbeitslosigkeit rasant gestiegen ist.

Ein neues Kapitel

Von erheblichen Lasten, die von der Bevölkerung getragen werden mussten und müssen, sprach auch Finanzkommissar Moscovici. Aber mit dem heutigen Tag werde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Griechenland sei jetzt wieder ein ganz normaler Euro-Staat.

"Normalität bedeutet: Ab heute wird Griechenland wieder behandelt wie jedes andere Mitglied der Euro-Zone", glaubt Moscovici.

Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Denn es ist keineswegs so, dass der Spardruck in Griechenland nun plötzlich aufhören würde. Im Gegenteil. Bis 2022 muss Athen Jahr für Jahr einen Überschuss im Staatshaushalt von 3,5 Prozent erwirtschaften. Keinem anderen Euro-Staat wird so etwas abverlangt.

Mit dem Geld soll Griechenlands gigantischer Schuldenberg abgetragen werden. Dennoch, so Moscovici, sei Griechenland stabil und durch die von EU, IWF und Europäischer Zentralbank auf den Weg gebrachten Reformen in der Lage, wieder nachhaltig zu wachsen.

Jean Claude Juncker | Bildquelle: STEPHANIE LECOCQ/EPA-EFE/REX/Shu
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Auch Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, dankte der griechischen Bevölkerung.

Auf diese so genannte Troika hatte sich in den vergangenen Jahren der Hass vieler Griechen gerichtet - doch nun sind die Zeiten der Troika vorbei. Trotzdem wird die Entwicklung in Griechenland natürlich genau beobachtet. So wie das auch in anderen Euro-Ländern getan werde.

"Dieser Prozess wird mit einem Abkommen im Herbst beginnen. Er gilt für Deutschland und Frankreich ebenso wie für alle Euro-Staaten. Und er legt die Koordinierung der Finanzpolitik in Europa fest - im so genannten Europäischen Semester", sagte der EU-Finanzkommissar.

Schulden zu hoch?

Ob Griechenland auf Dauer tatsächlich wieder allein klar kommt? Genau darüber streiten Experten.

Der grüne Europaparlamentarier Sven Giegold etwa hält die griechischen Schulden immer noch für viel zu hoch.

Auch der deutsche Linken-Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich meinte: "Für die Griechen ändert sich wenig, die Rezessions- und Verarmungspolitik ist auf Jahrzehnte festgeschrieben."

Im Jahr 2010 hatte die griechische Schuldenkrise begonnen. Der frühere Premier Papandreou richtete damals von einer griechischen Insel aus einen dramatischen Hilfsappell an die Europäische Union und an den IWF. Nun hofft man in Europa, dass es keinen Hilferuf aus Griechenland mehr geben wird.

Griechenland wieder ohne EU-Hilfe
Holger Beckmann, WDR Brüssel
20.08.2018 15:25 Uhr

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