Gebleichte Korallen im Great Barrier Reef | Bildquelle: dpa

Forschungsbericht Great Barrier Reef geht es immer schlechter

Stand: 30.08.2019 19:26 Uhr

Dem größten Korallenriff der Welt geht es schlecht wie nie, besagt der jüngste Bericht über das Great Barrier Reef. Forscher halten seine Rettung für möglich - doch ein Industrieprojekt könnte es weiter schädigen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Delfine, Wale, Meeresschildkröten, Feuerfische, Doktorfische, Clownfische, Stachelschnecken, Seefedern und Rochen - sie alle leben im und am Great Barrier Reef. Noch. Es ist die größte Struktur der Welt, von kleinsten Organismen, den Korallen, geschaffen: 2300 Kilometer lang erstreckt es sich längs der Ostküste Australiens.

Doch in vielen Bereichen stehen nur noch bleiche Geisterkorallen, die Farbe der Lebewesen ist verschwunden, abgebrochene Äste der Korallen bedecken den Meeresboden.

"Dieses Riff hat in den vergangenen Jahren gelitten: Sechs Wirbelstürme, zwei starke Korallenbleichen und häufigen Befall durch den Dornenkronenseestern. Es ist also keine Überraschung, dass der Zustand sich offensichtlich auf lange Sicht verschlechtert hat", sagt die australische Umweltministerin Sussan Ley heute bei der Vorstellung des Berichts zur Gesundheit des Riffs.

Ein Taucher schnorchelt über den "Korallengärten" des Great Barrier Reef vor Australien. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Ein Taucher schnorchelt über den "Korallengärten" des Great Barrier Reef vor Australien, die bleich und abgestorben aussehen.

Zustand des Riffs inzwischen "sehr schlecht"

Alle fünf Jahre wird er erstellt, tausend Einzelberichte werten die Forscher dafür aus. So ernüchternd wie jetzt war das Ergebnis noch nie: Die langfristigen Perspektiven des einzigartigen Korallenriffs sind von "schlecht" zu "sehr schlecht" herabgestuft worden.

"Die Tatsachen, auf die der Bericht die Aufmerksamkeit lenkt, sind in großen Teilen vom Klimawandel hervorgerufen", sagt der Chefwissenschaftler der Meerespark-Behörde Great Barrier Reef.

Doch die Schäden seien umkehrbar: "Mit der richtigen Mischung von örtlichen Maßnahmen zur Stärkung des Riffs und globalen Aktionen zur Bekämpfung des Klimawandels auf schnellste und entschiedenste Weise", sagt er. "So können wir eine bessere Aussicht für die Zukunft des Great Barrier Reefs schaffen und für den großen wirtschaftlichen und sozialen Wert, den es für Australien und für die ganze Welt hat."

Größte Kohlemine der Welt schadet dem Riff

Den Status als UNESCO-Welterbe behält das Korallenriff noch, als solches steht es unter dem Schutz der Vereinten Nationen. Vor fünf Jahren hatte die UNESCO gedroht, das Riff zum "gefährdeten Erbe" zu erklären, was Australien gerade noch verhindern konnte.

Das Land profitiert von dieser einzigartigen Attraktion: Nach Studien einer Unternehmensberatung bringt das Riff Jobs für 64.000 Menschen und Einnahmen von viereinhalb Milliarden Euro pro Jahr. Da wirken die 730 Millionen Euro, die Australien zur Erhaltung des Riffs versprochen hat, nicht mehr so großzügig.

In seinem Erhaltungsplan wolle Australien es eng mit der UNESCO zusammenarbeiten, betont Umweltministerin Ley: "Denn dass das Riff zum Welterbe gehört, zeigt, dass es für jeden Bürger dieser Erde wichtig ist. Es ist das am besten gemanagte Riff, das hat die UNESCO tatsächlich festgestellt. Unser Riff-2050-Plan ist das beste Vorgehen dafür."

Im Juni hat die Regierung des Bundeslandes Queensland, zu dem auch das Riff gehört, die noch ausstehende Genehmigung für die größte Kohlemine der Welt erteilt. Die Adani-Carmichael-Mine wird Kohle für Indien fördern. Die riesigen Transportschiffe werden von einem Hafen aus direkt durchs Great Barrier Reef fahren.

Sehr schlechte Aussichten fürs Great Barrier Reef
Lena Bodewein, ARD Singapur
30.08.2019 18:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: