Le Grand Théâtre de Rabat - Zu Besuch auf Rabats umstrittenster Baustelle

Umstrittener Bau in Marokko Ein königlicher Wunsch

Stand: 26.05.2018 10:12 Uhr

Entworfen von Stararchitektin Hadid, gewünscht vom König - doch das Volk hadert mit dem Grand Théâtre. Denn es ist eines von vielen Mega-Projekten in Marokko - einem Land mit vielen sozialen Problemen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Eine mehr oder weniger grüne Uferlandschaft, hier und da ein paar weiße Reiher - eigentlich war am träge dahin fließenden Fluss Bouregreg mal Ruhe. Das ist seit Beginn der Arbeiten an einer der umstrittensten Baustellen der marokkanischen Hauptstadt Rabat vorbei.

Heute dominiert der Baulärm von Baggern, Kränen, Schweißarbeiten. Das Baustellengelände ist riesig. Auf einem Hügel ragen das mehr als 800 Jahre alte Minarett und das Mausoleum der Könige auf. Beides Bauwerke, die Könige so wollten. Zu ihren Füßen entsteht nun ein neuer königlicher Wunsch, ein graues elegant-geschwungenes Megaprojekt, das wirkt wie ein Raumschiff: Das große Theater von Rabat. 

Tafel am BauzaunLe Grand Théâtre de Rabat - Zu Besuch auf Rabats umstrittenster Baustelle
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So soll es einmal aussehen: Tafel am Bauzaun des Grand Théâtre de Rabat

Projektleiter spricht lieber über Oper als über Schlagzeilen

Überall wuseln Bauarbeiter mit neongelben Westen und Helmen. Wenige hundert Meter entfernt liegt das Containerdorf mit den Baubüros: Franzosen, Briten, Portugiesen, marokkanische Unternehmen.

In einem der Container sitzt Lotfi Benchekroun, der Projektleiter. Er wirkt nervös. Er erklärt, worüber er definitiv nicht sprechen will: Die Probleme, von denen man in marokkanischen Medien liest und hört - Unstimmigkeiten zwischen den marokkanischen und ausländischen Bauagenturen, Lieferverzögerung bei Baumaterial. Dort heißt es, die Kosten für den Neubau seien um ein Viertel gestiegen, auf mittlerweile 120 Millionen Euro.

Stattdessen will Benchekroun die Idee des Projektes erläutern: "Ich spreche von Opern, ich spreche von Ballett, von klassischem Tanz, Sinfonieorchester, musikalische Komödien, Theater, Dramen…"

Blick von der Baustelle des Grand Théâtre de Rabat auf den Fluss Bouregreg | Bildquelle: Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat
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Die Baustelle liegt am Fluss Bouregreg - früher eine ruhige Gegend. Infrastruktur gibt es hier (noch) nicht.

Ein Symbol für das neue Rabat

"Rabat - ville lumière" - zur erleuchteten Stadt soll sich die Hauptstadt entwickeln. Ein ausgetüfteltes Beleuchtungskonzept soll das Grand Théâtre zum Lichtobjekt in der Hauptstadt machen - nicht zu übersehen und symbolhaft für das neue Rabat. Zusätzlich wurden zahlreiche Museen der Stadt aufwendig renoviert.

Das Grand Théâtre entsteht auf einem gigantischen Terrain, mehrere tausend Hektar groß. Zaha Hadid, die berühmte, kürzlich verstorbene Stararchitektin, hat den Komplex entworfen. Der zentrale Saal, das Herzstück des Gebäudes, bietet Platz für 1800 Menschen. Noch sind die Sitzplätze nur mit roten Kreisen auf den Boden und die Tribünen gemalt. Auf vier Etagen verteilen sich Ausstellungsräume, Künstlerateliers, eine Bibliothek und - im vierten Stock - ein Restaurant mit einem Blick über die Uferlandschaft und Rabat.

Le Grand Théâtre de Rabat - Zu Besuch auf Rabats umstrittenster Baustelle Auditorium | Bildquelle: Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat
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Noch sind nur Markierungen zu sehen, wo die 1800 Plätze im großen Saal einmal sein sollen.

Jeder soll sich Tickets leisten können

Noch ist der Baukomplex offen, später wird er mit riesigen Glasfronten geschlossen werden - lichtdurchflutet und transparent. Die offene Frage: Wer kann sich hier den Eintritt leisten? "Die Ticketpreise stehen noch nicht fest, davon sind wir noch weit entfernt", sagt Projektleiter Benchekroun. Für alle Sorten von Aufführungen - selbst für solche, die relativ teuer sein können - wollen wir es jedermann möglich machen, teilzunehmen." Alle Gesellschaftsschichten sollen kommen können, verspricht der Projektleiter.

Für viele Marokkaner ist der Bau des Grand Théâtre auch ein Symbol für das, was falsch läuft im Land. Denn während Marokko sich an vielen Orten mit futuristischen Bauprojekten schmücken will, boykottieren die Marokkaner gerade Milch-, Wasser- und Benzinkonzerne. Ein Protest gegen Lebensmittelpreise, die für viele zu teuer geworden sind. Ein Protest gegen Unternehmen, an denen marokkanische Politiker beteiligt sind.

Straßenszene in einem Vorort von Rabat | Bildquelle: REUTERS
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In den ärmeren Vierteln von Rabat herrscht wenig Verständnis für die Prachtbauten.

Teure Projekte einerseits - dunkle Stadtviertel andererseits

Hier klafft die Lücke: Teure Projekte für die Stadt des Lichts einerseits, dunkle, verdreckte Stadtviertel in denen die Armut offensichtlich ist, andererseits. Dort herrscht wenig Verständnis für lichtdurchflutete Prachtbauten.

Wer die Baustelle verlässt, steht ziemlich verlassen vor dem Gelände. Es fehlen Taxis, Busse, Straßenbahnen - schlicht Infrastruktur. Das alles muss noch gebaut werden, damit sich Marokkaner und Touristen ab Sommer 2019 hier an Musik und Theater erfreuen können. Und das heißt konkret: weitere Millionen.

Grand Théâtre de Rabat - Zu Besuch auf Rabats umstrittenster Baustelle

25.05.2018 16:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2018 um 07:45 Uhr.

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