Protestierende Google-Mitarbeiter | Bildquelle: AP

#MeToo bei Google "Es reicht, Tech-Branche!"

Stand: 02.11.2018 03:39 Uhr

Google-Mitarbeiter auf der ganzen Welt protestieren dagegen, wie der Konzern mit Missbrauchsvorwürfen umgeht. Chef Pichai gelobt Besserung. Doch ein Ende hat #MeToo in der Tech-Branche damit längst nicht.

Von Anne-Katrin Eutin, ARD-Studio Los Angeles

Rund 79 Millionen Euro. Dafür müsste Angela Merkel ungefähr 260 Jahre lang als Bundeskanzlerin arbeiten. Rund 79 Millionen Euro beträgt auch die Abfindung, die Andy Rubin - Erfinder der Android-Software - im Jahr 2014 von Google bekommen hat.

Was unausgesprochen blieb: Dass Rubin anscheinend gehen musste, weil eine Mitarbeiterin ihm vorwarf, sie auf einem Hotelzimmer zu Oralsex gezwungen zu haben. Nachforschungen durch Google sollen die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe bestätigt haben.

 Weitere Führungskraft nach Vorwürfen gefeuert

Nachdem die Vorwürfe sowie die Abfindung in der vergangenen Woche bekannt wurden, hat die Google-Geschäftsleitung eine E-Mail an alle Mitarbeiter heraus geschickt. Unter anderem hieß es darin:

"Wir meinen es völlig ernst, euch einen sicheren und inklusiven Arbeitsplatz zu bieten. [...] In den vergangenen zwei Jahren haben wir 48 Menschen wegen sexueller Belästigung gefeuert, 13 davon waren in leitender Position.[...] Wer sich unangemessen verhält, muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen."

Außerdem verließ gerade erst am Mittwoch eine weitere Führungskraft nach Belästigungsvorwürfen das Mutterunternehmen Alphabet - ohne Abfindung.

 Mehr als 1000 Mitarbeiter protestieren in San Francisco

Das genügt der Mitarbeiterschaft aber nicht. Von Tokio über Berlin bis zur Zentrale in Mountain View reichten die Proteste. Um 10 nach 11 Ortszeit verließen sie ihren Arbeitsplatz, um zu protestieren.

Auf ihren Schildern: Slogans wie "Time's Up, Tech!" - "Es reicht, Tech-Branche!" oder "Arbeiterrechte sind Frauenrechte".

Frauen demonstrieren vor der Google-Niederlassung in New York mit Transparenten. | Bildquelle: REUTERS
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Frauen demonstrieren vor der Google-Niederlassung in New York mit Plakaten. Die Slogans: "Arbeiterrechte sind Frauenrechte" und "Es reicht, Tech-Branche!"

Mehr als 1000 Google-Mitarbeiter waren es zum Beispiel in San Francisco. Per Megafon verkündete eine Mitarbeiterin fünf Forderungen:

"Wir wollen keine Zwangsschlichtungen bei Belästigungsvorwürfen mehr. Wir wollen, dass Google sich verbindlich für Chancen- und Lohngleichheit einsetzt. Wir wollen einen öffentlichen Bericht über Missbrauchsfälle. Wir wollen ein sicheres, anonymes Meldesystem für sexuelle Übergriffe. Und wir wollen, dass die Gleichstellungsbeauftragte direkt an Sundar Pichai berichten kann."

"Feedback sammeln und Ideen umsetzen" 

Und Google-Chef Pichai gelobt Besserung. "Unsere Mitarbeiter haben unsere volle Unterstützung, an den Protesten teilzunehmen. Sie haben konstruktive Ideen für einen besseren Umgang und bessere Strukturen", sagt er. "Wir werden das Feedback sammeln und diese Ideen umsetzen."

Die #MeToo-Debatte schwelt schon länger in der männerdominierten Tech-Welt: Bei Google sind nur 30 Prozent aller Mitarbeiter weiblich. Im Rest der Branche liegt der Frauenanteil meist bei über 40 Prozent.

Umgang mit Belästigungsvorwürfen: Google-Mitarbeiter protestieren weltweit
Anne-Katrin Eutin, ARD Los Angeles
02.11.2018 05:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 01. November 2018 um 18:44 Uhr.

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