Journalist Golunow bei einer Gerichtsanhörung in Moskau | Bildquelle: REUTERS

Russischer Journalist Demonstrative Solidarität mit Golunow

Stand: 10.06.2019 11:14 Uhr

Iwan Golunow ist einer der bekanntesten Investigativjournalisten Russlands - und soll nach Ansicht seiner Unterstützer mundtot gemacht werden. Aber ihre Solidarität scheint ihm geholfen zu haben.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

"Ich bin/Wir sind Iwan Golunow" - Gleich drei der größten russischen Tageszeitungen widmeten ihre Titelblätter einer Solidaritätsbekundung mit einem der bekanntesten russischen Investigativjournalisten. Gegen Golunow wird wegen Drogenbesitzes ermittelt. Aktuell steht er unter Hausarrest.

Der Fall hat nicht nur in der Medienszene eine Welle der Empörung ausgelöst. Freunde und Kollegen vermuten, dass der kritische Journalist durch ein Scheinverfahren mundtot gemacht werden soll. Die Vorwürfe bezeichneten sie als absurd.


Moskaus Vizebürgermeister im Visier

Der 36-Jährige berichtete vor allem für das Internetportal "Medusa" über Korruption in Russland. Zuletzt hatte er einen Bericht über das schnell wachsende Vermögen des Moskauer Vizebürgermeister veröffentlicht.

Am Donnerstag nahmen Zivilfahnder Golunow fest und durchsuchten seine Wohnung. Dort wollen sie Geräte und Mittel zur Herstellung von Drogen gefunden haben. Während der ersten Tage in Untersuchungshaft soll er misshandelt worden sein.

Unterstützer von Ivan Golunow | Bildquelle: AP
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Freunde und Kollegen Golunows versammelten sich am Samstag vor dem Moskauer Gerichtsgebäude.

Öffentlicher Druck

Dass das Gericht den Journalisten vorerst unter Hausarrest stellte und nicht weiter im Gefängnis behielt, werteten viele als kleinen Erfolg und als Reaktion auf den öffentlichen Druck: In den vergangenen Tagen protestierten mehrere Dutzend Menschen jeweils bis in den späten Abend hinein gegen die Festnahme Golunows. Sie stellten sich jeweils einzeln mit Plakaten in der Hand vor die Polizeihauptwache in Moskau und umgingen damit das Verbot unangemeldeter Demonstrationen.

Der "Medusa"-Chefredakteur kündigte an, dass Kollegen nun die Arbeit Golunows weiterführen sollen. Für Mittwoch sind weitere Proteste angekündigt. Sollte Golunow verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Verfahren gegen russischen Journalisten löst Welle der Solidarität aus
Martha Wilczynski, ARD Moskau
10.06.2019 10:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 10. Juni 2019 um 11:13 Uhr.

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