Der ehemalige New Yorker Bürgermeister und heutige Trump-Anwalt Rudy Giuliani. | Bildquelle: AP

Trump-Anwalt Giuliani Der Ausputzer des Präsidenten

Stand: 02.10.2019 03:34 Uhr

Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurde Rudy Giuliani als "Bürgermeister Amerikas" gefeiert. Heute wirkt er wie Trumps Handlanger, der dessen Skandale verwischen soll.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Monatelang hat er offenbar unbemerkt im Hintergrund gewirkt. Und jetzt beherrscht er die Fernsehschirme: Auf allen TV-Kanälen versucht Rudy Giuliani derzeit, seinen Mandanten Donald Trump in der Ukraine-Affäre reinzuwaschen.

“Haben Sie die Ukraine gebeten, gegen Joe Biden zu ermitteln?”, wird der persönliche Anwalt des Präsidenten auf CNN gefragt. "Nein, habe ich nicht", antwortet Giuliani. Und verstrickt sich in Widersprüche. "Also haben Sie die Ukraine nicht gebeten, Joe Biden unter die Lupe zu nehmen?", fragt der Moderator nach. "Natürlich habe ich das!", lautet diesmal die Antwort.

Giuliani greift Biden an

Ebenso rätselhaft wie diese wirren und widersprüchlichen Aussagen ist bislang die Rolle geblieben, die Giuliani in der Ukraine-Affäre spielt. Der Whistleblower, der die obskure Geschichte ans Tageslicht brachte, beschreibt in seiner Beschwerde eine Schattenpolitik Giulianis, die bei zahlreichen Regierungsmitarbeitern für Irritation gesorgt habe.

Der Whistleblower behaupte fälschlicherweise, er habe auf eigene Faust gehandelt - tatsächlich habe ihn das Außenministerium beauftragt, rechtfertigt sich Giuliani. Beauftragt, mit einem Berater des ukrainischen Präsidenten über die Geschäftsbeziehungen von Vater und Sohn Biden in der Ukraine zu sprechen.

Doch dieses Gespräch, das nach dem berüchtigten Telefonat in Madrid stattfand, ist längst nicht das Einzige, was Giuliani unternommen hat: Seit Monaten stöbert er nach belastendem Material gegen Biden, den er in seinen Fernsehinterviews immer wieder frontal angreift.

"Es schlägt mir auf die Eingeweide, wenn sich jemand in öffentlichem Amt bereichert", wettert Giuliani. Das habe Biden schon als Senator getan. Behauptungen wie diese hämmern Trumps Parteigänger derzeit im Stakkato-Takt heraus, obwohl Biden nicht nachgewiesen werden konnte, dass er als Vizepräsident seinen Sohn vor Korruptionsermittlungen schützte.

Es dürfte trotzdem etwas hängenbleiben, mutmaßt Newt Gingrich, der einst für die Republikaner die Amtsenthebung von Bill Clinton betrieben hatte. Die Demokraten wüssten genau, wie sehr Giuliani nicht nur Trump aus Erklärungsnöten hilft, sondern auch Bidens Wahlkampf beschädigt.

Der "Bürgermeister Amerikas" war einmal

Doch vorerst hat Rudy Giuliani, die einstige Lichtgestalt der Republikaner, nur sich selbst beschädigt.

Von 1994 bis 2001 war der heute 75-jährige Bürgermeister seiner Heimatstadt New York. Mit kompromissloser "Zero Tolerance"-Politik gelang es ihm, New Yorks horrende Kriminalität in den Griff zu bekommen. Den Zenit seines Ruhms erreichte er dann nach dem 11. September: Für sein vielbewundertes Krisenmanagement verlieh ihm damals Oprah Winfrey den Ehrentitel "Bürgermeister Amerikas".

Jetzt wirkt Giuliani wie ein Handlanger Trumps, der dummerweise erwischt wurde: Zunächst muss er sich jetzt vor gleich mehreren Ausschüssen des Repräsentantenhauses rechtfertigen. Vor den Mueller-Ermittlungen zu russischer Wahlmanipulation konnte er seinen Mandanten Trump noch einigermaßen schützen.

Ob Giuliani das auch in der Ukraine-Affäre gelingt, bleibt abzuwarten.

Ukraine-Affäre: Die seltsame Wandlung des Rudy Giuliani
Sebastian Hesse, ARD Washington
02.10.2019 05:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2019 um 05:42 Uhr.

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