Der ehemalige New Yorker Bürgermeister und heutige Trump-Anwalt Rudy Giuliani. | AP

Rolle in Trumps Wahlkampf Giuliani verliert Anwaltslizenz

Stand: 24.06.2021 21:36 Uhr

Wohl niemand war für Ex-US-Präsident Trump während des Wahlkampfs und danach ein so sichtbarer Verbündeter wie sein Anwalt Giuliani. Wegen "falscher und irreführender Aussagen" hat dieser jetzt aber seine Lizenz verloren.

Ein New Yorker Gericht hat die Anwaltslizenz des Trump-Vertrauten Rudy Giuliani wegen dessen Rolle nach der US-Präsidentenwahl 2020 ausgesetzt. Giuliani habe als Anwalt Trumps und dessen Wahlkampfteams "nachweislich falsche und irreführende Aussagen gegenüber Gerichten, Gesetzgebern und der Öffentlichkeit gemacht".

Das Verhalten des 77-Jährigen gefährde das öffentliche Interesse, so dass eine Aufhebung gerechtfertigt sei, bis das anhängige Verfahren endgültig beendet sei. Die Aussetzung der Anwaltslizenz bezieht sich auf den Bundesstaat New York.

Ohne Belege Stimmraub durch Demokraten behauptet

Trump hatte Giuliani Mitte November damit beauftragt, die rechtlichen Anstrengungen gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl und den Sieg des Demokraten Joe Biden anzuführen. Der Anwalt und ehemalige New Yorker Bürgermeister behauptete immer wieder ohne Beweise, dass Trump aufgrund eines von der Demokratischen Partei organisierten Stimmenraubs um den Sieg über Biden gebracht worden sei. Mehrere Klagen der Trump-Anwälte in verschiedenen Bundesstaaten scheiterten wegen fehlender Belege.

Das New Yorker Gericht kam am Donnerstag außerdem zu dem Schluss, dass Giulianis Äußerungen die Spannungen in den USA vor dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar angeheizt hätten: "Die Schwere des unbestrittenen Fehlverhaltens des Beklagten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden." Die USA würden durch anhaltende Angriffe auf die Legitimität der Wahlen und auf Präsident Biden "zerrissen".

Prominente Anwaltskollegen stellten Antrag

Der Antrag auf Entzug seiner Lizenz war von einer Reihe prominenter Anwälte eingereicht worden. Giuliani kann die Entscheidung anfechten, allerdings wies das Gericht darauf hin, dass er am Ende eines solchen Verfahrens mit "erheblichen dauerhaften Strafen" rechnen müsse.

Derzeit steht Giuliani auch im Zentrum von Ermittlungen wegen Vorwürfen unlauterer Lobbyarbeit in den USA für ukrainische Kunden.

Giuliani ist ein treuer Weggefährte Trumps, brachte ihn aber mehrfach in Schwierigkeiten. Er war eine zentrale Figur in der Ukraine-Affäre, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump ins Rollen brachte. Giuliani hatte sich auch aktiv darum bemüht, die Ukraine zu Ermittlungen gegen Trumps letztlich siegreichen Herausforderer Biden zu bewegen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juni 2021 um 19:02 Uhr.