Alexander Gerst spricht vor Journalisten | Bildquelle: dpa

Start ins All Wie Alexander Gerst "Astro-Alex" wurde

Stand: 08.06.2018 16:12 Uhr

Schon als Junge faszinierten ihn Vulkane, Erdbeben und Stürme. Er zog mit Rucksack durch die Welt, doch er wollte höher hinaus. Nun fliegt er zur ISS - und mit ihm Millionen Raumfahrtfans.

Von Markus Sambale, ARD-Studio Moskau

Es ist ganz schön überraschend, was Alexander Gerst da erzählt: "Ich wusste, die Statistik ist komplett gegen mich. Ich wusste, dass ich nicht Astronaut werden würde."

Doch die Erklärung, die der 42-Jährige dann hinterherschiebt, passt zu dem Mann mit der markanten Glatze, der gleichzeitig bescheiden und selbstbewusst rüberkommt - und humorvoll: "Das kann ich natürlich jetzt und mit einem Zwinkern sagen, aber damals war mir klar, ich werde das nicht werden, weil das nur so wenige sind. Und ich habe wahrscheinlich auch nicht das Zeug dazu."

Es war 2008, als die Europäische Raumfahrtagentur ESA endlich wieder einmal eine Stellenausschreibung veröffentlichte: "Astronaut gesucht". Für Gerst war klar: "Ich wusste, ich will der Sache mal eine Chance geben, weil ich nicht alt werden wollte und dann mir sagen muss, ich hab es noch nicht mal probiert."

Gegen Tausende Mitbewerber durchgesetzt

Gerst probierte es - und es klappte. Er setzte sich gegen Tausende Mitbewerber durch, bewältigte das harte Astronautentraining. 2014 durfte er zum ersten Mal für ein halbes Jahr zur Internationalen Raumstation fliegen. Dabei habe er gar nicht immer nur Astronaut werden wollen.

"Ich war als Kind eher ziemlich neugierig und fand alles Mögliche faszinierend. Mich hat alles interessiert, was mit Natur zu tun hatte: Vulkane, Erdbeben, Stürme. Das fand ich alles extrem interessant."

Mit dem Rucksack durch die Welt

Geboren wurde Alexander Gerst 1976 im baden-württembergischen Künzelsau. Er studierte in Karlsruhe Geophysik, forschte an der Uni Hamburg. Er zog mit dem Rucksack durch Zentralamerika, Australien und Neuseeland. Und er reiste zu Forschungszwecken in die eisige Kälte: In der Antarktis verbrachte er sechs Wochen bei minus 45 Grad auf einem aktiven Vulkan. "Da wusste ich nicht: Ist das eine Nummer zu krass für mich?", fragte er sich. Solche Gedanken habe er er auch vor seinem ersten Flug gehabt.

Erlebnisse mit anderen teilen

Wissenschaftler zu sein, das heißt für ihn nicht nur, Dinge zu entdecken, sondern diese Entdeckungen mit anderen zu teilen. Das tut er ebenso mitreißend wie erfolgreich bei Twitter, wo @Astro_Alex mehr als eine Million Follower hat.

Für die Raumfahrtbranche ist er der perfekte Werbeträger. Er hält Vorträge und weckt schon bei Kindern in der "Sendung mit der Maus" die Faszination für Wissenschaft und Kosmos: "Ich war niemand, der irgendwas herausfindet, und dann denkt, okay, jetzt verliere ich das Interesse daran", sagt er. Sondern er habe immer die Lust gehabt, dann auch die Veröffentlichung zu schreiben und den anderen Leuten davon zu erzählen.

Über Privates spricht Gerst wenig: Bekannt ist, dass er in einer Beziehung lebt. Alles Weitere behält er für sich. Der Risiken, die mit einem Raumflug verbunden sind, sei er sich sehr bewusst, sagt der Astronaut. Aber die Erkenntnisse seien ihm das wert.

Screenshot des Twitter Accounts von Alexander Gerst (Astro Alex)
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Teilt seine Entdeckung mit mehr als einer Million Followern bei Twitter.

"Auch die Erde ist spannend"

Jetzt also steht seine zweite Reise ins Weltall bevor. Und eine besondere Ehre: Alexander Gerst wird für einige Zeit Kommandant der Internationalen Raumstation sein, als erster Deutscher. Trotz des Höhenflugs muss man sich aber wohl keine Sorgen machen, dass es dem 42-Jährigen danach an Träumen und Zielen mangelt:

"Ich finde es nach wie vor total spannend hier unten auf der Erde: Zu reisen, wieder mal ein paar Vulkane anzuschauen, vielleicht noch mal in die Antarktis zu gehen. Ich freue mich darauf, mit meiner Partnerin durchs Himalaja zu wandern."

Davon träume er und das sei durch einen Job nicht weniger geworden.

Die US-Astronautin Serena Aunon-Chancellor, der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew und der deutsche Astronaut Alexander Gerst | Bildquelle: dpa
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Letztes Abschlusstraining vor dem Start: Die US-Astronautin Aunon-Chancellor, der russische Kosmonaut Prokopjew (m.) und Gerst (re.)

Sorge um den Planeten Erde

Bei aller Begeisterung für die Wunder der Erde, Gerst ist auch besorgt, wenn er an die Zukunft des Planeten denkt. Denn den hat er aus 400 Kilometern Entfernung ganz neu wahrgenommen:

"Hoppla, diese Erde, die so unendlich groß erschien, die ist wirklich nicht so groß, das ist wirklich ein kleines Ding. Und alles was auf dieser Oberfläche existiert oder ein bisschen unter der Oberfläche, wo wir graben können, das sind alles Ressourcen, die sehr, sehr beschränkt sind. Man realisiert das. Wenn das da unten aus ist dann , dann ist es aus. Da gibt’s nichts mehr.“

Jetzt geht’s erst mal wieder nach oben für Astro-Alex. Für den deutschen Forscher, der es entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit dann doch geschafft hat, Astronaut zu werden.

Wie aus Alexander Gerst "Astro-Alex" wurde
Markus Sambale, ARD Moskau
05.06.2018 09:42 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. Juni 2018 um 22:50 Uhr in Studio 9 kompakt im Deutschlandfunk.

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