Simulation eines Galileo-Satelliten im Erdorbit | Bildquelle: dpa

Satellitennavigation Galileo kämpft mit Systemausfall

Stand: 15.07.2019 15:12 Uhr

Das satellitengestützte Navigationssystem Galileo soll Europa unabhängiger vom US-amerikanischen GPS machen. Doch nun ist es nahezu komplett ausgefallen. Die Suche nach dem Grund gestaltet sich schwierig.

Das europäische Navigationssystem Galileo ist seit Freitag gestört. Experten arbeiteten rund um die Uhr an der Fehlerbehebung, sagte eine Sprecherin der zuständigen EU-Agentur GSA. Die Ursache sei noch nicht bekannt.

Das Problem liege bei der Infrastruktur am Boden, nicht bei den Satelliten im Weltall, so die Sprecherin. Nicht betroffen ist den Angaben zufolge einzig der Such- und Rettungsdienst (SAR), mit dem Menschen in Notlagen aufgespürt werden können.

Folgen bleiben dennoch gering

Für private Nutzer dürften die Folgen des Galileo-Systemausfalls dennoch gering bleiben. Ihr Smartphone wechsele automatisch zu einem anderen Navigationssystem, sagte die Sprecherin. Neben Galileo, das eine höhere Präzision bieten soll, stehen das US-amerikanische GPS- und auf manchen Geräten auch das russische Glonass-System zur Verfügung.

Bereits am vorigen Donnerstag war es zu einer ersten Störung des neuen europäischen Navigationssystems gekommen. Das Problem wuchs sich am Wochenende zum Komplettausfall aus.

Computergrafik mit Satelliten des Navigationssystems Galileo
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Computergrafik mit Galileo-Satelliten. Seit Dezember 2016 sind Dienste über das System verfügbar, es befindet sich aber noch in der sogenannten Initialphase.

System in der Initialphase

Erste Galileo-Dienste sind seit Dezember 2016 verfügbar, das System befindet sich aber noch in der sogenannten Initialphase. In der Praxis bedeutet das, dass eine durchgängige Erreichbarkeit noch nicht garantiert wird.

Mit dem milliardenschweren Prestigeprojekt Galileo will Europa unabhängig vom amerikanischen GPS werden. Derzeit befinden sich 26 Galileo-Satelliten in der Umlaufbahn, vier weitere sollen Ende 2020 mit Ariane-Raketen ins All geschossen werden. Damit ist dann der Endausbau erreicht.

Kontrollzentren stehen im bayerischen Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino. Die Verwaltung der europäischen Satellitennavigationsbehörde GSA sitzt in Prag.

Probleme mit Atomuhren im Jahr 2017

Größere Probleme hatte es zuletzt im Januar 2017 gegeben. Damals waren die Atomuhren an Bord mehrerer Satelliten ausgefallen. Reserve-Uhren mussten die Zeitmessung übernehmen. Dass es sich bei dem jetzigen Ausfall um eine Wiederholung des damaligen Zwischenfalls handeln könnte, schloss die GSA-Sprecherin aus.

Galileo war mit großer Verzögerung und viel höheren Kosten als geplant an den Start gegangen. Ursprünglich sollte das System bereits 2008 in den Vollbetrieb gehen. 1999 plante die EU 2,2 bis 2,9 Milliarden Euro für den Galileo-Aufbau ein. Der derzeitige Kostenrahmen: Im EU-Budget bis 2020 sind 7,2 Milliarden für den Aufbau plus drei weitere Milliarden für den Betrieb vorgesehen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juli 2019 um 14:15 Uhr.

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