Fans auf der Tribüne schwingen die chinesische Flagge bei einem WM-Vorrundenspiel im russischen Samara. | Bildquelle: TATYANA ZENKOVICH/EPA-EFE/REX/Sh

China und die Fußball-WM Frauenfußball nicht gern gesehen

Stand: 08.06.2019 11:02 Uhr

Chinas Nationalmannschaft spielte einst an der Weltspitze, doch seit 20 Jahren geht es stetig bergab. Heute trifft die Mannschaft in der Vorrunde auf Deutschland. Von ihrem Abschneiden bei der WM hängt viel ab.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai.

Das erste Spiel ausgerechnet gegen Deutschland. Manche sagen, der Niedergang Chinas als Frauenfußball-Großmacht begann 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen. Damals gewann Deutschland mit 8:0. Schwierig, sich davon zu erholen.

Aber dass China überhaupt so weit gekommen ist, schon Weltmeisterschaften ausrichtete und einmal bis ins Finale kam, hat auch gesellschaftliche Gründe, sagt Yang Qian. Sie lehrt Sportmanagement an der Shanghaier Sportuniversität.

"Chinesische Frauen haben einfach einen höheren sozialen Status als in vielen anderen Ländern. Bei der Arbeit sind Männer und Frauen völlig gleichberechtigt. Und Eltern schicken ihre Töchter gerne zum Sport."

Chinas Natonaltrainer Jia Xiuquan und Spielerin Haiyan Wu bei einer Pressekonferenz vor dem Beginn der Frauenfußball-WM in Rennes | Bildquelle: REUTERS
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Chinas Natonaltrainer Jia Xiuquan und Spielerin Haiyan Wu bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Deutschland am 8. Juni.

Nicht genug Spielerinnen

Was aber fehlt, ist die Breite im Profisport, meint Shen Lei. Er leitet die Sportredaktion bei Shanghais größter Zeitung "Wénhuì". "Es gibt nur rund zehn Frauenteams in China, das macht 200 bis 300 Spielerinnen. China hat auch kein Uni-Sport-System. Also hat es nur diesen Pool von 200 bis 300. Daraus Talent zu schöpfen – unmöglich!"

Und noch düsterer sähe es ohne staatliche Unterstützung aus, meint Shen Lei, selbst wenn die nicht besonders üppig ist. Aber es gibt Unterstützung wie in vielen Ländern, die von einer Kommunistischen Partei regiert werden. Vor allem in Sportarten, die Zählbares bringen, etwa bei Olympischen Spielen.

"Kulturelle Konflikte" wenn Frauen Fußball spielen

Frauenfußball sei sportlich gesehen wichtig für China, weil es Medaillen gibt. "Aber kulturell betrachtet, in der konfuzianisch geprägten Gesellschaft, ist das nicht so gerne gesehen, wenn Frauen Fußball spielen. Da gibt es kulturelle Konflikte", erzählt Yang Qian von der Sportuniversität in Shanghai.

Vor dem Beginn der Frauenfußball-Wm in Rennes bearbeitet ein Mitarbeiter den Stadionrasen. | Bildquelle: REUTERS
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Die Frauenfußball-WM in Frankreich beginnt am 7. Juni.

Vielleicht ist auch deshalb das Interesse noch verhaltener als in manchen westlichen Ländern. Cameron Wilson, Gründer des Fußballblogs "Wild East Football" ist der Ansicht, dass auch die Staatsmedien entscheidend seien. "Wenn es nicht gut läuft, berichten sie zwar, aber nicht so ausführlich." Nur wenn es gut für das Team liefe, würde sich auch das chinesische Publikum interessieren, meint Wilson.

Der Einzug ins Achtelfinale könnte helfen. Was also aus chinesischer Sicht nötig wäre in der Gruppenphase: ein Sieg gegen Südafrika, ein Unentschieden gegen Spanien und nicht zu hoch gegen Deutschland verlieren. Das wäre der Plan.

China - die gefallene Frauenfußballmacht
Markus Pfalzgraf, ARD Shanghai
07.06.2019 15:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 22:53 Uhr.

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