Der Chef der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung, di Maio | Bildquelle: AP

Regierungskrise in Italien Die Angst der Sterne vor ihren Wählern

Stand: 26.08.2019 21:34 Uhr

Harte Kritik an Parteien hat die Fünf-Sterne-Bewegung groß gemacht. Das könnte ihr jetzt auf die Füße fallen. Anhänger kritisieren Di Maio wegen der Verhandlungen mit den Sozialdemokraten scharf.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Unterstützung in den Sozialen Medien hat die Partei mit groß gemacht. Jetzt werden die Fünf-Sterne-Bewegung und speziell ihrer Spitzenmann Luigi Di Maio von einem Shitstorm ohne Beispiel durchgeschüttelt. Möglicherweise ist das ein Grund, warum die Populisten kurz vor der entscheidenden Gesprächsrunde bei Staatspräsident Sergio Mattarella wackeln - und eine Koalition mit der Demokratischen Partei mit spitzen Fingern anfassen.

Vor allem die Facebook-Seite von Vizepremier Di Maio wird von Negativkommentaren geflutet. Ein Nutzer schreibt dort: "Ihr seid genau wie alle anderen geworden. Ändert euren Namen aus Respekt vor denen, die euch gewählt haben, weil sie euren Worten geglaubt haben."

Mehr als 4500 Likes von Di Maios Facebook-Fans bekommt dieser Kommentar.

Fast 900 Mal zustimmend den Daumen nach oben gibt es für diese Kritik am Fünf-Sterne-Chef: "Ganz Italien lacht über Dich. Mit der Demokratischen Partei, die Du Jahr für Jahr massakriert hast. Jetzt machst Du Vereinbarungen mit ihr, nur um Dein Amt nicht zu verlieren."

Noch vor Kurzem scharfe Kritik an PD

Di Maio gehört in der Tat zu den Politikern der Fünf-Sterne-Bewegung, die stets gern und heftig über die Demokraten herzogen. Mit dieser Demokratischen Partei habe er nichts zu tun, tönte der Vizepremier vor wenigen Monaten. Noch im Mai lehnte der Fünf-Sterne-Führer in der wichtigsten Polit-Talkshow Italiens Gespräche mit den Demokraten und ihrem Parteichef Nicola Zingaretti rundweg ab. Er sehe auch in der Sache keinerlei Dialogmöglichkeit mit der Demokratischen Partei, meinte Di Maio.

Die Erzählung der Fünf-Sterne-Bewegung über die Schwesterpartei der deutschen SPD lautete bislang: zu sehr von gestern, Teil des alten Systems, verantwortlich für fast alles, was in Italien schiefläuft.

PD- Parteichef Nicola Zingaretti spricht zu Medien. | Bildquelle: AP
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Koalition mit den Fünf Sternen? PD- Parteichef Nicola Zingaretti kann es sich gut vorstellen.

"Gegenseitig zuhören und miteinander reden"

In den fünf Jahren, in denen die Demokraten mit ihren Regierungen Renzi und Gentiloni Verantwortung trugen, waren dies die Botschaften, mit denen die Fünf-Sterne-Bewegung in den Sozialen Medien Unterstützung für sich mobilisierte. Jetzt droht der Partei, dass sie den im Netz freigesetzten Geist nicht mehr in die Flasche bekommt. In der Fünf-Sterne-Bewegung geht die Angst um, von ihren Anhängern bei einem Online-Votum über einen Regierungsvertrag mit den Demokraten abgestraft zu werden. Dies sei der Hauptgrund, schreibt die Zeitung "Corriere della Sera", warum Di Maio in den Koalitionsverhandlungen seit ein paar Tagen so zögerlich erscheint.

Die Demokraten dagegen, trotz der auch in ihren Reihen vorhandenen Bedenken, strecken weiter die Hand in Richtung Fünf-Sterne-Bewegung aus. Parteichef Zingaretti wirbt bei Di Maio und seinen Kollegen um Gespräche, zunächst über Inhalte: "Man muss sich gegenseitig zuhören und miteinander reden - um dann am Ende eine gemeinsame Position zu finden."

Last-Minute-Einigung

Inhaltliche Schnittmengen zwischen beiden Parteien gibt es mehr als der Streit in den vergangenen Jahren vermuten lässt, gerade in der Sozial-, Wirtschafts- und Umweltpolitik. Beide wollen unter anderem einen Mindestlohn, Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und eine Wende hin zu einer Green Economy.

Die inhaltliche Nähe spricht, vor der am Dienstag beginnenden neuen Konsultationsrunde beim Staatspräsidenten, für eine Last-Minute-Einigung. Die Welle vorauseilender Wut, mit der die Fünf-Sterne-Bewegung in den Sozialen Medien konfrontiert ist, könnte sie erschweren.

Regierungskrise: Shitstorm gegen 5 Sterne erschwert Einigung
Jörg Seisselberg, ARD Rom
26.08.2019 19:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2019 um 09:11 Uhr.

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