Der Chefredakteuer der Moskauer Zeitung "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow. | dpa
Porträt

Nobelpreis für Journalist Muratow Kämpfer für die Meinungsfreiheit

Stand: 08.10.2021 16:48 Uhr

Der Journalist Muratow habe die Meinungsfreiheit in Russland verteidigt, so das Friedensnobelpreis-Komitee. Muratow widmete die Auszeichnung verstorbenen Kollegen - und will weiterkämpfen.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Der russische Journalist Dmitri Muratow ist einer der diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises. Er erhalte ihn für seine Bemühungen um die Wahrung der freien Meinungsäußerung, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden sei, sagte die Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Bekanntgabe der Preisträger in Oslo.

Martha Wilczynski ARD-Studio Moskau

"Dmitri Andrejewitsch Muratow hat über Jahrzehnte die Meinungsfreiheit in Russland verteidigt - unter sich immer weiter erschwerenden Bedingungen", so Reiss-Andersen weiter.

Auch Alexej Wenediktow, Chefredakteur des kremlkritischen Radiosenders "Echo Moskwy", beschreibt seinen Journalistenkollegen Muratow als einen Menschen mit Kämpfernatur: "Ich habe mehrmals gesehen wie er - als einer von sehr wenigen - dem Präsidenten Dinge ins direkt Gesicht gesagt hat, die diesem sehr unangenehm waren und dabei für die Meinungsfreiheit gekämpft hat."

Mitgründer der "Nowaja Gazeta"

1993 gründete Muratow gemeinsam mit einer Gruppe von Journalisten die Zeitung "Nowaja Gazeta" - mit einem eindeutigen Vorsatz, wie er vor einigen Jahren in einem Radiointerview erklärte: "Wir wollten keinen Boulevard machen. Es gibt diesen Geist, dass sich Geschichten verkaufen müssen, dass der Markt alles regelt. Der Markt aber hat Preise, keine Werte", so Muratow. "Die Leute, die sich in dieser Zeitungsredaktion versammelten, waren jung, aber gleichzeitig altmodisch. Sie haben eine gute Schule durchlaufen."

Und die mache sich in der Arbeit der "Nowaja Gazeta" bemerkbar, sagte Komitee-Vorsitzende Reiss-Andersen bei der Bekanntgabe des Nobelpreises. Der faktenorientierte Journalismus der Zeitung und Muratows professionelle Integrität hätten sie zu einer wichtigen Informationsquelle gemacht - "auch über sensible Aspekte der russischen Gesellschaft".

Muratow: Preis gebührt verstorbenen Kollegen

Lange schon ist die "Nowaja Gazeta" auch außerhalb Russlands bekannt für ihre investigativen Recherchen über Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Aktivitäten russischer Militär- und Geheimdienste sowie für ihre scharfen politischen Analysen. Eine Arbeit, die bereits fünf Journalistinnen und Journalisten sowie ein für die Zeitung arbeitender Anwalt mit ihrem Leben bezahlt haben.

Muratow, seit 1995 Chefredakteur der "Nowaja Gazeta", erklärte deswegen schon kurz nach der Bekanntgabe, dass der Friedensnobelpreis nicht ihm gebühre, sondern denjenigen, die für das Recht auf freie Meinungsäußerung gestorben sind. Er selbst habe mit der Auszeichnung überhaupt nicht gerechnet, weswegen er den Anruf aus Norwegen erstmal nicht entgegengenommen habe.

Glückwünsche aus dem Kreml

Glückwünsche kamen nicht nur von zahlreichen Journalistenkollegen und von russischen Oppositionellen, sondern auch aus dem Kreml: "Wir können Dmitri Muratow nur gratulieren", so Putin-Sprecher Dmitri Peskow. "Er lässt sich bei seiner Arbeit von seinen Idealen leiten und bleibt ihnen treu. Er ist talentiert, er ist mutig. Das ist eine hohe Auszeichnung und wir gratulieren ihm."

Die Auszeichnung könnte für den Chefredakteur der "Nowaja Gazeta" in Zukunft zu einer Art Schutzschild werden, sagen Kollegen. Denn die Repressionen gegen Journalisten in Russland haben zuletzt stark zugenommen. 

Muratow selbst will das Preisgeld dafür nutzen, sich noch stärker für seine unterdrückten Kolleginnen und Kollegen und die Meinungsfreiheit in Russland einzusetzen.