Ein streikender Bahnmitarbeiter hält eine Sammelbox für die Streikkasse hoch. | Bildquelle: dpa

Protest gegen Rentenreform Franzosen spenden für Streikende

Stand: 27.12.2019 10:20 Uhr

Mehr als eine Million Euro an Spenden in der Streikkasse und weitere Aktionen zur Jahreswende: Die Gewerkschaften in Frankreich setzen ihren Kampf gegen die Rentenreform selbstbewusst fort. Viele zeigen sich solidarisch.

Zu Beginn der vierten Woche zeigt die Streikbewegung gegen die Rentenreform in Frankreich keine Ermüdungserscheinung. Mehr als eine Million Euro hat die Gewerkschaft Gewerkschaft "Confédération générale du travail" (CGT) nach eigenen Angaben seit Beginn der Mobilisierung gesammelt.

In Frankreich gibt es keine Lohnfortzahlung während eines Streiks. Deshalb sind die Streikenden auf Zahlungen der Gewerkschaften angewiesen.

Für die Gewerkschaft hat die Summe einen symbolischen Wert. "Seit der Einrichtung dieses Streikfonds im Jahr 2016 hat es eine beispiellose Welle der Solidarität gegeben", verkündet der Generalsekretär der Gewerkschaft Confédération générale du travail (CGT), Philippe Martinez.

250.000 Euro an Streikende ausgezahlt

Bereits am Dienstag überreichte die Gewerkschaft den Streikenden des Pariser Nahverkehrsbetriebs (RATP) vor dem Hauptquartier des Unternehmens einen Scheck über 250.000 Euro, die "größte Summe", die sie je ausgezahlt hatte.

CGT zufolge beteiligten sich fast 30.000 Menschen mit Spenden in Höhe von durchschnittlich 67 Euro. Unter den Spendern sind laut der französischen Tageszeitung "Le Monde" viele Rentner. Einer repräsentativen Umfrage Instituts Ifop zufolge lag die Zustimmung zum Streik in der Bevölkerung an Heiligabend immer noch bei 51 Prozent, nur drei Prozentpunkte weniger als zuvor.

CGT-Chef Philippe Martinez | Bildquelle: AFP
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Kämpferisch: CGT-Chef Philippe Martinez bei einer Demonstration gegen die Rentenreform in Paris

Mehrheit für Streik

Wegen der Fortsetzung des Streiks über Weihnachten war ein Einbruch der Solidarität mit den Gewerkschaften befürchtet worden. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte für ein Aussetzen appelliert, vor allem um den Menschen die Reise zu ihren Familien zu ermöglichen.

Tatsächlich saßen Tausende Französinnen und Franzosen an Heiligabend zuhause oder an den Bahnhöfen fest. Der Verkehr war an den Weihnachtstagen zeitweise fast vollständig zum Erliegen gekommen. Der Streik wird vor allem von den Eisenbahner-Gewerkschaften getragen.

Silvester in Paris - vermutlich zu Fuß

Für die kommenden Tage wurden weitere Streikaktionen angekündigt. Auch an Silvester und Neujahr, wenn traditionell viele Touristen in Paris sind, wird der Nah- und Fernverkehr stark beeinträchtigt sein.

Denn in der Hauptstadt sollen fünf Metro-Linien komplett geschlossen bleiben, teilten die Verkehrsbetriebe mit. Eine merkliche Besserung soll es demnach jedoch bei den RER-Zügen geben, die ähnlich wie S-Bahnen im Großraum Paris fahren, so RATP.

Verhandlungen erst wieder ab 7. Januar

Erst am 7. Januar sollen die Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern wieder aufgenommen. Die Regierung hält bislang an ihrem Plan fest, die Rentenreform am 22. Januar ins Kabinett einzubringen.

Die Reform sieht vor, das komplizierte System mit 42 verschiedenen Rentenregelungen zu vereinheitlichen. Auf diese Weise soll das Milliarden-Defizit der Rentenkassen abgebaut werden. Besonders umstritten ist die faktische Anhebung des Renteneintrittsalters von derzeit 62 auf künftig 64 Jahre.

Die Regierung bot zwar Übergangsfristen für das Renteneintrittsalter an. Aber dieses Angebot reichte den Gewerkschaften nicht aus.

Zwei Raffinerien werden bestreikt

Neben den regionalen und überregionalen Verkehrsbetrieben werden zudem Raffinerien bestreikt. Die Versorgung von Tankstellen sei derzeit aber nicht gefährdet, betonte Innenminister Christophe Castaner. Von rund 200 Kraftstoff-Depots würden lediglich zwei blockiert. Vorschnelle Hamsterkäufe an Tankstellen seien nicht nötig, so Castaner.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Dezember 2019 um 02:00 Uhr.

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