Demonstrant bei Protesten gegen zu hohe Benzinpreise in Frankreich | Bildquelle: AFP

Frankreich Blockaden gegen hohe Spritpreise

Stand: 17.11.2018 12:37 Uhr

Sie besetzen Straßen und blockieren Mautstellen: In Frankreich protestieren Zehntausende gegen hohe Spritpreise. Dabei kam es zu einem tragischen Zwischenfall: Eine Teilnehmerin kam ums Leben.

In Frankreich beteiligen sich Zehntausende Menschen an Protesten gegen die hohen Preise für Benzin und Öl. Die Demonstranten in gelben Warnwesten, den "gilets jaunes", besetzen Straßen und Kreisverkehre und blockieren Mautstellen. Auch auf Autobahnen sollen Aktionen stattfinden. In Paris versammelten sich Taxifahrer, um gegen steigende Mineralölsteuern zu protestieren.

Die Polizei geht davon aus, dass es insgesamt rund 1500 Demonstrationen gibt, nicht alle davon wurden auch offiziell angemeldet. Protestiert wird demnach in mehr als 600 Städten und Gemeinden. Der französische Innenminister Christophe Castaner sprach bereits von rund 124.000 Teilnehmern.

Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron drohte bei Blockaden mit Bußgeldern. 3000 zusätzliche Sicherheitskräfte seien in ganz Frankreich im Einsatz, berichtete der französische Sender BFMTV unter Berufung auf Polizeikreise.

Demonstranten in einem Auto mit der Aufschrift "Weltmeister bei Steuern" | Bildquelle: AFP
galerie

Demonstranten fahren in einem Auto, auf dem "Weltmeister bei Steuern" steht.

Sprit soll noch teurer werden

Die Demonstranten kritisieren das Vorhaben der Regierung, die Steuern für Autofahrer im kommenden Jahr weiter zu erhöhen. Geplant ist unter anderem eine Anhebung der Abgaben auf Diesel und Benzin. Ein Liter Superbenzin kostet in Frankreich zurzeit bereits rund zwei Euro. Die Steuern sind Teil von Macrons Plänen, Frankreich unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu machen. Viele Autofahrer werfen dem Präsidenten aber vor, er zeige kein Verständnis für die Alltagssorgen der Menschen.

"Wir haben die Schnauze voll. Immer sollen wir alles bezahlen", erzählte eine Rentnerin aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Toulouse. Sie habe ihr ganzes Leben Abgaben gezahlt "und die da oben kriegen den Hals nicht voll". Ihre Freundin erklärte: "Irgendwann ist Schluss und wir müssen was tun. Wir werden zeigen, dass es reicht. Die Franzosen müssen zusammenstehen und demonstrieren."

Viele Franzosen nutzen die heutigen Demonstrationen auch zum Protest gegen andere umstritten Vorhaben der Regierung wie die Rentenreform oder den Pflegenotstand. Auch die Opposition mischt mit. Vor allem die extreme Linke und extreme Rechte befeuern den Ärger gegen Macron und seine Regierung. Aber auch die konservativen Republikaner und die Sozialisten nutzen den Protest für ihre Sache.

Demonstranten bei Protesten gegen zu hohe Benzinpreise in Frankreich | Bildquelle: AFP
galerie

Sie sind wütend - und viele: In ganz Frankreich könnten es rund 50.000 Demonstranten sein.

Demonstrantin ums Leben gekommen

Überschattet werden die Proteste von einem tödlichen Unfall. Eine Autofahrerin sei an einer Straßenblockade in Panik geraten und habe eine Demonstrantin überfahren, sagte Innenminister Castaner. Der Unfall ereignete sich in Pont-de-Beauvoisin, nördlich von Grenoble. Laut dem Präfekten hatten einige der rund 40 Teilnehmer der Straßenblockade auf das Auto der Frau getrommelt, die daraufhin in Panik aufs Gaspedal trat. Laut den Behörden gab es auch an anderen Orten Unfälle mit Verletzten.

Bis zum Mittag wurden zudem 47 Menschen verletzt, drei von ihnen schwer, wie es bei einer live übertragen Lagebesprechung zwischen Innenminister Christophe Castaner und Sicherheitskräften hieß. 24 weitere Menschen wurden demnach festgenommen, 17 befinden sich in Polizeigewahrsam

Die Proteste wurden über die sozialen Netzwerke organisiert, einen offiziell Verantwortlichen gibt es nicht. Die Demonstranten können sich auf die Unterstützung einer breiten Mehrheit der Franzosen berufen: Laut einer Umfrage für den Sender France unterstützen drei Viertel der Befragten die Protestbewegung. 15 Prozent der Befragten kündigten an, sich selbst beteiligen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete am 17. November 2018 NDR Info um 12:45 Uhr in den Nachrichten und die tagessschau um 12:52 Uhr.

Darstellung: