Nationalfeiertag in Frankreich: Kadetten der französischen Armee mit Masken auf dem Place de la Concorde vor der Parade zum 14. Juli | AFP

Frankreich Nationalfeiertag im Schatten der Krise

Stand: 14.07.2020 03:57 Uhr

Frankreich feiert Nationalfeiertag - coronabedingt ohne Militärparade. Ganz verzichten will Präsident Macron auf Feierlichkeiten und Inszenierungen nicht. Er muss versuchen, sich neu zu erfinden.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Angesichts vieler Corona-Einschränkungen bei den Feierlichkeiten droht dieser 14. Juli für viele Französinnen und Franzosen ein eher trister Nationalfeiertag zu werden. Für Valérie Martin allerdings wird dieser 14. Juli trotzdem ein ganz besonderer Tag werden: "Zwanzig Personen, zehn Frauen und zehn Männer, werden die Nationalfahne tragen. Und man hat mich gefragt, ob ich dazugehören will. Das hat mich wirklich berührt", sagt die Pflegeassistentin aus dem Westen des Landes im Fernsehsender France3.

Marcel Wagner ARD-Studio Paris

Valerie gehört zu den insgesamt rund 2500 Auserwählten, die bei der zentralen, deutlich verkleinerten Zeremonie auf der Pariser Place de la Concorde auflaufen dürfen. Statt wie sonst fast ausschließlich Soldaten, gehören dieses Mal auch viele Mitarbeiter aus dem Medizinsektor dazu. Schließlich hätten auch sie in der Coronakrise ihr Leben für die Allgemeinheit riskiert. Ihnen und allen, die das Land am Laufen gehalten hätten, gebühre daher Dank und Anerkennung der Nation, heißt es in einer präsidialen Grußbotschaft.

Eine kalkulierte Geste

Der Schritt sei aller Ehren wert, aber auch klar kalkuliert, sagt Bruno Cautrès, Politikanalyst am Pariser Cevipof-Institut: "Ich glaube, Macron will zeigen, dass er nicht der Präsident der Reichen, nicht dieser arrogante Präsident ist. Er versucht sich sehr zugewandt zu zeigen, gegenüber den 'normalen' Franzosen, denen, die während der Covid-19-Krise in der ersten oder zweiten Reihe gestanden haben."

Für Macron ist dieser 14. Juli politisch ein überaus wichtiger Tag. "Wir sollten in diesem schwierigen Moment ausgetretene Pfade verlassen, Ideologien überwinden können und uns neu erfinden. Ich als allererster", hatte der Präsident auf dem Höhepunkt der Corona-Krise, mitten im strengen Lockdown, gefordert und nach Gelbwestenprotesten und zermürbenden Streikwellen einen neuen politischen Weg angekündigt.

Mit dem Wechsel des Premiers und einiger Minister folgten Anfang Juli erste Taten, doch ist das bereits die "Neuerfindung", die Macron versprochen hatte? "Es ist zu früh um das zu sagen. Aber ich denke in dieser Regierung gibt es mehr, was nach weiter so, als nach echtem Neuanfang aussieht", glaubt Cautrès.

Gewerkschaften akzeptieren Sozialplan

Immerhin: Einen ersten, echten Erfolg konnte der neue Premier noch rechtzeitig vor dem Nationalfeiertag verkünden. Nach zähen Verhandlungen akzeptierte ein Großteil der Gewerkschaften des Medizinsektors den rund acht Milliarden Euro schweren Sozialplan der Regierung, mit dem unter anderem Gehälter erhöht und Pflegeberufe aufgewertet werden sollen. Für Valérie Martin ein Anfang: "Ich finde, das ist eine allererste Anerkennung. Aber ich denke, wir müssen deutlich weiter gehen."

Nach der Zeremonie will Präsident Macron sich in einem Fernsehinterview ausführlich zu seinen politischen Plänen für den Rest seiner Amtszeit äußern. Vielleicht ist danach klarer, wie weit er zu gehen bereit ist, um sich wirklich neu zu erfinden. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2020 um 09:00 Uhr.