Französische Fischereifahrzeuge | picture alliance/dpa/PA Media

Fischereistreit mit Großbritannien Macron sieht von Strafmaßnahmen vorerst ab

Stand: 01.11.2021 22:44 Uhr

Im Fischereistreit mit Großbritannien verzichtet Frankreich zunächst auf Sanktionen. Präsident Macron sagte, dass er die geplanten Strafmaßnahmen gegen die Briten um einen Tag verschiebe. Beide Seiten wollen nun beraten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im Streit um Fischerei-Lizenzen das Inkrafttreten von Strafmaßnahmen gegen Großbritannien um Mitternacht vorerst gestoppt. Macron verwies am Rande der Weltklimakonferenz in Glasgow auf laufende Verhandlungen mit der Regierung in London. "Wir werden keine Sanktionen verhängen, während wir verhandeln."

Macrons Büro hatte wenige Stunden zuvor noch bekräftigt, dass angekündigte Strafmaßnahmen um Mitternacht in Kraft treten sollten, falls bis dahin kein Durchbruch erzielt worden sei. "Die nächsten Stunden sind wichtige Stunden", sagte der Präsident nun. "Ich gehe davon aus, dass die Briten morgen mit weiteren Vorschlägen auf uns zukommen werden".

Paris kündigte scharfe Kontrollen an

Eine Sprecherin der EU-Kommission hatte zuvor bestätigt, dass Vertreter aus Frankreich, Großbritannien sowie der Kanalinseln Jersey und Guernsey und der EU-Kommission in Brüssel zu Gesprächen zusammenkommen sollten. Diese Gespräche sollen laut Macron nun am Dienstag fortgeführt werden. "Wir werden sehen, wo wir morgen am Ende des Tages stehen, um zu sehen, ob sich die Dinge in der Natur ändern", fügte er hinzu.

Am Dienstag läuft ein französisches Ultimatum für eine Einigung in dem Disput über die Fischereilizenzen aus. Paris hatte gedroht, dann einige Häfen für britische Fischer zu sperren und britische Boote und Lastwagen schärfer zu kontrollieren. Frankreich stellte auch eine Einschränkung der Stromversorgung für die zu Großbritannien gehörenden Kanalinseln in den Raum. Die Inseln liegen vor der französischen Küste und sind auf Strom aus Frankreich angewiesen.

Ultimatum der britischen Regierung

"Die Franzosen müssen diese Drohungen zurücknehmen, ansonsten werden wir die im Brexit-Vertrag vereinbarten Streitschlichtungsmechanismus auslösen, um Kompensationen einzufordern", sagte Außenministerin Liz Truss der BBC. London werde angesichts "unangemessener" Drohungen aus Paris keine Kehrtwende machen. Das Problem müsse innerhalb der nächsten 48 Stunden gelöst sein.

In dem Streit zwischen den beiden Staaten geht es um Fischereirechte nach dem Brexit. Paris wirft London vor, französische Fischer bei der Erlaubnis zum Fang in britischen Gewässern zu benachteiligen. Französische Fischer hätten nicht die garantierten Lizenzen erhalten, um in britischen Gewässern ihre Netze auswerfen zu können. Nach britischen Angaben geht es um einige Dutzend französische Boote, die keine Fischereilizenz erhalten haben, weil sie die verlangten Dokumente nicht nachweisen konnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.