Frankreichs Präsident Castex mit Arbeitsministerin Borne bei einer Pressekonferenz. | Bildquelle: LUDOVIC MARIN/POOL/EPA-EFE/Shutt

Milliardenprogramm Frankreich will der Corona-Krise trotzen

Stand: 03.09.2020 17:43 Uhr

Premierminister Castex nennt es ein Programm von "historischem Ausmaß": Mit 100 Milliarden Euro will Frankreichs Regierung Arbeitsplätze sichern, das Gesundheitssystem verbessern und die Wirtschaft wettbewerbsfähiger, aber auch grüner machen.

Mit einem großen Konjunkturprogramm will Frankreich in den kommenden zwei Jahren die Folgen der Corona-Krise bekämpfen. Der Plan sei "ein wichtiger Schritt" im Kampf gegen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, sagte Premierminister Jean Castex bei der Vorstellung in Paris. "France Relance" (Aufschwung Frankreich) ist insgesamt 100 Milliarden Euro schwer. Es sei ein Programm von "historischem Ausmaß", so Castex.

Das meiste Geld fließt in die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Unter anderem soll die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gewahrt werden, etwa durch Steuersenkungen. Ziel ist es, bis 2022 - dann steht auch die nächste Präsidentenwahl in Frankreich an - das Bruttoinlandsprodukt wieder auf den Stand von 2019 zu bringen. Zwischen April und Juni war es um 13,8 Prozent zurückgegangen, deutlich stärker als zum Beispiel in Deutschland.

Ein zentraler Punkt des Programms ist aber auch die Sicherung von Arbeitsplätzen. 160.000 Jobs sollen nach Aussage von Castex im kommenden Jahr geschaffen werden. Es wird damit gerechnet, dass durch die Corona-Krise im laufenden Jahr rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen. Als ehrgeizig, aber vollkommen in Reichweite, bezeichnet Castex das Projekt.

Investitionen und Umweltschutz

Geplant ist außerdem, Investitionen anzuschieben - beispielsweise im Gesundheitsbereich. Nach Regierungsangaben soll vier mal so viel investiert werden wie nach der Finanzkrise im Jahr 2008. Auch der Umweltschutz spielt eine zentrale Rolle. Rund 30 Milliarden Euro sollen in den "ökologischen Wandel" fließen, unter anderem in den Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene oder in die Gebäudedämmung.

Ein Teil des Geldes stammt aus dem Corona-Hilfsfonds der EU. Rund 40 Milliarden Euro will die Regierung nach Castex' Worten daraus finanzieren. Im Oktober soll der Plan den anderen EU-Staaten vorgestellt werden. Für den Rest will die Regierung neue Schulden aufnehmen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. September 2020 um 16:41 Uhr.

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