Emmanuel Macron | Bildquelle: dpa

Attacke in Frankreich Macron spricht von islamistischem Terrorakt

Stand: 17.10.2020 03:39 Uhr

In einem Pariser Vorort ist ein Lehrer auf offener Straße ermordet worden. Die Polizei nahm aus dem Familienkreis des erschossenen Täters vier Personen fest. Staatspräsident Macron stuft die Tat als islamistischen Anschlag ein.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Lehrer in der Nähe von Paris sind vier Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Festgenommenen, darunter ein Minderjähriger, seien aus dem familiären Umfeld des Angreifers, der von Polizisten getötet worden war, hieß es aus Justizkreisen.

Zuvor hatte Präsident Emmanuel Macron den Tatort in der Kleinstadt Conflans-Sainte-Honorine besucht. "Einer unserer Mitbürger wurde brutal ermordet. Er ist Opfer eines islamistisch terroristischen Attentates", erklärte er sichtlich angeschlagen.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen Geschichtslehrer, der im Pariser Vorort unterrichtete. Er soll seinen Schülern im Rahmen eines Kurses über die Meinungsfreiheit Mohamed-Karikaturen gezeigt haben. Lange nicht allen hat das gefallen. Dafür mussten die Schule und die Schulleitung offenbar viel Kritik einstecken. "Er hat seine Schüler gelehrt, was es heißt zu glauben, oder nicht zu glauben", sagte Macron. Am Freitagabend wurde der Lehrer auf offener Straße mit einem Messer attackiert und starb.

Appell des Staatspräsidenten

Macron hatte kurz vor seiner Ansprache die Schulleiterin des Opfers getroffen. Er dankte ihr dafür, dass sie die Meinungsfreiheit und die Lehre der Meinungsfreiheit gegen alle Widerstände verteidigt habe. Erst vor wenigen Wochen hatte der Präsident einen Gesetzesentwurf gegen die Entstehung von hauptsächlichen islamistischen Parallelgesellschaften vorgestellt. Die Bildung und die Institution Schule spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn in den Schulen, erklärte Macron, würden die Werte der Republik unterrichtet. Die Meinungsfreiheit sei eines der höchsten Güter.

"Es ist deshalb kein Zufall, dass dieser Terrorist heute Abend einen Lehrer ermordet hat. Er wollte die Republik treffen, ihre Werte, die Aufklärung und die Möglichkeit unsere Kinder zu mündigen Bürgern zu machen, woher sie auch kommen, an was sie auch glauben oder nicht glauben", sagte Macron. "Wir lassen das nicht durchgehen. Diese Schlacht ist die unsere. Wir werden sie schlagen, das ist unvermeidbar."

Vier Personen wurden festgenommen

Zum mutmaßlichen Täter, zum Tathergang und zu den Hintergründen der Tat gab Präsident Macron keine weiteren Details bekannt. Zunächst hatte es in Polizeikreisen geheißen, das Opfer sei enthauptet worden. Dies wurde aber nicht bestätigt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dem Lehrer sei nach Angaben der Polizei die Kehle durchgeschnitten worden.

Macron verwies auf die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft, die bereits kurz nach der brutalen Tat die Ermittlungen übernommen hat. Sie ermittelt unter anderem wegen Mordes mit terroristischem Hintergrund. Der mutmaßliche Täter, ein 18-Jähriger Mann wurde kurz nach der Tat von der Polizei gestellt, als er die Beamten mit einem langen Küchenmesser bedrohte, schossen sie auf ihn. Er erlag seinen Verletzungen.

"Angriff auf die Werte der Republik"

Es ist ein außergewöhnlich brutaler Mord, der Frankreich mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie tief schockiert. "Sie werden damit nicht durchkommen. Wir lassen uns nicht spalten. Denn das ist es, was sie wollen", sagte der Präsident zum Ende seiner kurzen Ansprache am Tatort. Die Regierung hat einen Krisenstab eingerichtet. Politikerinnen und Politiker aller Parteien reagierten extrem betroffen auf den Vorfall. Die französische Nationalversammlung unterbrach ihre Sitzung und gedachte dem Opfer und seinen Angehörigen.

Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, schrieb auf Twitter: "Die Ermordung eines Geschichtslehrers ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Einen Lehrer anzugreifen bedeutet, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen."

Attacke nahe Paris - Macron nennt Tat islamistischen Terroranschlag
Sabine Wach, ARD Paris
16.10.2020 23:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.

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