Vor der Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray liegen nach dem Überfall Blumen

Anschlag bei Rouen Zweiter Kirchenattentäter identifiziert

Stand: 28.07.2016 16:23 Uhr

Der zweite Attentäter, der am Dienstag mit einem Komplizen einen Priester in einer Kirche in der Normandie getötet hat, ist identifiziert. Französische Ermittler kamen ihm durch DNA-Tests auf die Spur. Auch er war den Sicherheitsbehörden bekannt.

Französische Ermittler haben einen 19-Jährigen als zweiten Attentäter identifiziert, der am Dienstag mit einem Komplizen einen 85-jährigen Priester in einer Kirche in der Normandie getötet hat. Man sei dem Mann durch einen DNA-Abgleich auf die Spur gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Er habe zuletzt im Kurort Aix-les-Bains östlich von Lyon gelebt - mehr als 600 Kilometer vom Tatort entfernt. Woher sich die beiden Attentäter kannten, ist nicht bekannt.

Täter war kein Unbekannter

Der Mann wurde als Abdel-Malik Nabil P. identifiziert. Er war zusammen mit dem ebenfalls 19-jährigen Adel K. nach dem Überfall in Saint-Etienne-du-Rouvray von der Polizei erschossen worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" bezeichnete die beiden Männer als ihre "Soldaten". P. war den französischen Sicherheitsbehörden offenbar erst seit kurzer Zeit bekannt: Er wurde den Ermittlern zufolge am 29. Juni in eine Gefährder-Kartei für radikale Islamisten aufgenommen, weil er über die Türkei nach Syrien reisen wollte.

Eine Aufnahme in die Kartei führt in der Regel aber nicht zu einer ständigen Überwachung durch die Sicherheitsbehörden. Außerdem war er nicht vorbestraft, weshalb die Behörden weder Fingerabdrücke noch DNA-Proben des Mannes hatten. Erst eine von der Mutter zur Verfügung gestellte DNA-Probe brachte Gewissheit über die Identität P.

Flugblatt des Täters war im Umlauf

Allerdings habe die französische Anti-Terror-Behörde am 22. Juli - vier Tage vor dem Kirchenüberfall - ein Flugblatt mit dem Foto P.'s herausgebracht, aber ohne seinen Namen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. In der Warnmitteilung an die Polizei hieß es, der junge Mann "könnte dazu bereit sein, an einer Attacke auf nationalem Gebiet teilzunehmen".

Es sei möglich, dass er "bereits in Frankreich ist und alleine oder mit anderen Individuen handelt". Zeit, Ort und Art des Anschlag seien nicht bekannt, habe es in der Mitteilung geheißen. Drei Verwandte P.'s wurden mittlerweile in Polizeigewahrsam genommen, um weitere Angaben zum Profil des Mörders zu erhalten. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass sie etwas mit der tödlichen Attacke zu tun hätten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2016 um 18:22 Uhr