Das Rettungsschiff "Open Arms" erreicht den Hafen von Palma. | Bildquelle: Atienza/EPA-EFE/REX/Shutterstock

"Open Arms" Rettungsschiff erreicht Mallorca

Stand: 21.07.2018 19:20 Uhr

Ein Rettungsschiff mit einer überlebenden Migrantin und zwei Toten an Bord ist auf Mallorca eingetroffen. Einen italienischen Hafen wollte die Organisation nicht ansteuern - sie traue der Regierung nicht.

Ein Rettungsschiff mit zwei Leichen und einer überlebenden Migrantin an Bord ist auf Mallorca eingetroffen. Die "Open Arms" sei nach viertägiger Fahrt durchs Mittelmeer in den Hafen von Palma eingelaufen, teilte der Gründer der spanischen Organisation "Proactiva Open Arms", Oscar Camps, auf Twitter mit.

Die Frau sei zunächst auf dem Schiff ärztlich und psychologisch untersucht und betreut worden, erklärten die Regionalbehörden der Balearen. Danach habe das Rote Kreuz die Frau namens Josefa zur weiteren Betreuung in ein Krankenhaus in Palma gebracht. Die 40-Jährige leidet demnach an Unterkühlung und Dehydration.

"Wir trauen Italien nicht"

Die Organisation steuerte Spanien an, obwohl Italien dem Schiff schon einen Hafen zugewiesen hatte. Die italienische Regierung wollte sich aber nur um die Überlebende, nicht um die getöteten Flüchtlinge kümmern. "Proactiva" erklärte daraufhin, sie traue den italienischen Behörden nicht.

Die neue italienische Regierung fährt eine strikten Kurs in der Asylpolitik. Innenminister Matteo Salvini will die Häfen für Schiffe von Hilfsorganisationen nicht öffnen. In den vergangenen Monaten war gleich mehrmals ein Streit zwischen EU-Staaten über die Aufnahme von Flüchtlingen entbrannt, die von privaten Schiffen im Mittelmeer gerettet wurden.

Eine Frau wird im Hafen Palma de Mallorca von Bord eines Rettungsschiffes getragen. | Bildquelle: REUTERS
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Die Überlebende wird im Hafen von Palma von Bord des Rettungsschiffs "Open Arms" getragen.

Vorwürfe an libysche Küstenwache

Die Helfer der "Open Arms" hatten die Migrantin aus Kamerun am Dienstag vor der libyschen Küste gerettet. Dabei wurden auch die beiden Leichen - eine Frau und ein Kind - zwischen den Überreste ihres Plastikbootes entdeckt. Auf Videoaufnahmen der Gruppe waren die toten Körper im Wasser zu sehen. Die Bilder lösten Empörung aus.

"Proactiva" warf der libyschen Küstenwache vor, die drei Flüchtlinge nach einer Rettung im Meer zurückgelassen zu haben. Die Migranten sollen sich geweigert haben, nach Libyen zurückgebracht zu werden, erklärten die Retter. Libyens Küstenwache wies die Vorwürfe zurück.

Die Organisation hat inzwischen nach eigenen Angaben bei der spanischen Justiz eine Klage gegen die libysche Küstenwache und den Kapitän eines Frachtschiffes eingereicht. Sie wirft ihnen unterlassene Hilfeleistung und fahrlässige Tötung vor, erklärten Sprecher von "Proactiva" vor Journalisten in Palma.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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