Minderjährige Flüchtlinge setzen mit italienischen Beamten vom Flüchtlingsschiff "Open Arms" in den Hafen von Lampedusa über. | Bildquelle: REUTERS

"Open Arms" im Mittelmeer Minderjährige dürfen Flüchtlingsschiff verlassen

Stand: 17.08.2019 18:28 Uhr

Nach 17 Tagen Irrfahrt droht die Lage auf dem Rettungsschiff "Open Arms", zu eskalieren. Italiens Innenminister hat die Einfahrt in den Hafen von Lampedusa untersagt. 27 Minderjährige dürfen nun aber an Land.

Kurz vor einer möglicherweise gefährlichen Eskalation an Bord des spanischen Rettungsschiffs "Open Arms" hat Italiens Innenminister Matteo Salvini ein wenig eingelenkt. In einem Schreiben erlaubte er, dass mehr als zwei Dutzend Minderjährige auf dem vor Lampedusa ausharrenden Schiff auf der Insel an Land gehen durften.

Am Nachmittag wurden die Jugendlichen von der Küstenwache abgeholt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. "Gegen meinen Willen", schrieb der rechte Politiker. Ministerpräsident Giuseppe Conte habe ihn zu dem Schritt aufgefordert. Nach Angaben der Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" handelte es sich um 27 nicht begleitete Minderjährige.

Noch immer 107 Menschen an Bord

Zuletzt befanden sich noch 134 Menschen an Bord, so dass immer noch 107 auf der "Open Arms" verbleiben müssen. Darunter sind zwei Minderjährige, die mit Familienmitgliedern unterwegs sind. Die Situation war zuvor Augenzeugen zufolge immer kritischer geworden. "Jede Sekunde, die vergeht, rückt die Explosion dieser Bombe näher", warnte Kapitän Marc Reig.

Er schrieb auf Twitter weiter, er hoffe, dass nun sehr schnell auch die übrigen 107 Personen von Bord könnten. Die Lage auf dem Schiff gleiche einer "Zeitbombe". Seine Besatzung habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, um Gewalt und Selbstverstümmelung unter den Passagieren zu verhindern, so Reig.

Flüchtlinge sind erschöpft und aufgebracht

Die "Open Arms" befindet sich seit Donnerstag in unmittelbarer Nähe von Lampedusa, darf wegen des harten Kurses Salvinis aber nicht anlegen. Der spanische Fernsehsender RTVE zeigte am Samstag Bilder erschöpfter und aufgebrachter Migranten, die Land sehen, dieses aber nicht betreten dürfen. In ihrer zweieinhalbwöchigen Irrfahrt hatte die "Open Arms" zeitweise fast 160 Migranten an Bord. Jedoch waren einige gesundheitlich so angeschlagen, dass sie in den vergangenen Tagen nach Malta und Italien gebracht wurden.

Am Mittwoch hatte das Verwaltungsgericht von Latium dem Schiff das Einlaufen in italienische Gewässer erlaubt, indem es ein entsprechendes Verbot des Innenministeriums aufhob. Innenminister Salvini hatte gegen das Urteil umgehend Widerspruch angekündigt. Davon distanzierten sich jedoch die ebenfalls betroffenen Minister für Transport und Verteidigung, Danilo Toninelli und Elisabetta Trenta. Ein erstes Einlaufverbot für die "Open Arms" hatten die beiden Fünf-Sterne-Politiker noch mitunterzeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2019 um 17:00 Uhr.

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