Khalifa-Stadion in Katar

Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen in Katar "Hässliche Seite des schönen Spiels"

Stand: 31.03.2016 03:13 Uhr

Die Arbeitsbedingungen auf dem Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar sind "menschenunwürdig". Immer wieder wurde darüber berichtet. Was hat sich getan? Wenig - so die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Während die deutschen Fußball-Fans der Europameisterschaft in diesem Sommer entgegenfiebern, werden in Katar bereits die Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 gebaut. Schon häufiger hat Amnesty International kritisiert, dass die Wanderarbeiter auf den WM-Baustellen im Golf-Emirat unter menschenunwürdigen Umständen schuften müssen. In ihrem heute veröffentlichten jüngsten Report kommt die Menschenrechtsorganisation nun zu dem Schluss, dass sich die Lage - ungeachtet aller Appelle - kaum verbessert hat.

Stephanie Pieper ARD-Studio London

Im Khalifa International Stadium in Doha soll unter anderem eines der beiden Halbfinals der Weltmeisterschaft 2022 stattfinden. Auf der Baustelle dieses Stadions, das für die WM flott gemacht wird, haben Mitarbeiter von Amnesty International im April und Mai vergangenen Jahres Wanderarbeiter zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Die meisten von ihnen kommen aus Bangladesch, Indien und Nepal. Einer sagte den Amnesty-Vertretern, er fühle sich in Katar manchmal wie in einem Gefängnis.

Froh, überhaupt Lohn zu bekommen

Um die Betroffenen zu schützen, hat die Menschenrechtsorganisation die Aussagen aller befragten Arbeiter anonymisiert und von Schauspielern nachsprechen lassen. Ein Bauarbeiter erzählte Amnesty, er sei jedes Mal froh, wenn er seinen Lohn kriege - weil er nie wisse, ob und wann er überhaupt bezahlt werde.

Auf öffentlichen Druck hin hat das WM-Organisationskomitee zwar Ende vergangenen Jahres neue Arbeits- und Sozialstandards festgelegt. Doch die stünden bislang nur auf dem Papier und würden von den beauftragten Firmen weitgehend nicht eingehalten, klagt Amnesty-Experte Mustafa Qadri. Er hat sich im Februar erneut auf der Baustelle des Khalifa-Stadions und des benachbarten Sportkomplexes umgesehen und umgehört: "Wir haben eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen dokumentiert - darunter Zwangsarbeit, Missbrauch des Rekrutierungsverfahrens, schlechtere Bedingungen als im Vertrag versprochen, Einziehen von Pässen, verspätete und niedrige Bezahlung, sehr schlechte Unterkünfte sowie Drohungen des Arbeitgebers."

Infantino nach der Wahl zum FIFA-Chef

Amnesty setzt auch auf den neuen FIFA-Chef Infantino.

AI fordert: Mehr Verantwortung übernehmen

Amnesty spricht von der "hässlichen Seite des schönen Spiels" - und fordert den Weltfußverballverband ein weiteres Mal auf, mehr Verantwortung für die Lage der Wanderarbeiter auf den WM-Baustellen zu übernehmen. Die Organisation setzt auch auf den neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino - und auf Sponsoren wie Adidas. Der Verband müsse die Regierung Katars stärker unter Druck setzen, so Qadri: "Die FIFA hat von Anfang an nicht genug unternommen, um die Situation anzugehen. Sie hätte schon vor der WM-Vergabe an Katar wissen sollen, dass der Missbrauch von Arbeitern dort immanent ist. Die FIFA muss mehr tun."

In einem Schreiben an Amnesty erklärte der Weltfußballverband, er habe konkrete Maßnahmen ergriffen. Die FIFA könne aber nicht dafür verantwortlich sein, alle gesellschaftlichen Probleme in einem Gastgeberland zu lösen. Adidas wiederum teilt grundsätzlich die Sorgen von Amnesty, will deren neuen Bericht zunächst studieren und dann die nächsten Schritte mit der FIFA diskutieren.

Menschenrechtler Qadri sagt, in Katar würden derweil Tausende weiter im Stillen leiden, so wie ein Wanderarbeiter. Er fürchtet, seinen Job und sein Visum zu verlieren, wenn er sich über die Arbeitsbedingungen beschwert. Für die Fußballer und die Fans, so Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty, sei ein WM-Stadion der Ort ihrer Träume - für einige der Wanderarbeiter in Katar dagegen könne es sich wie ein Albtraum anfühlen.

Dieser Beitrag lief am 31. März 2016 um 09:33 Uhr auf NDR Info.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Topakake 31.03.2016 • 14:04 Uhr

re: bitterepille

Das ist aber das Problem, solange es Etikettenschwindel gibt, weiß ich ja nicht mal, was fairtrade ist.... Was nützt es mir, wenn ich (teure) Eier von angeblich freilaufenden Hühnern kaufe, diese aber aus angeblich längst stillgelegten Legebatterien stammt? Oder solange ein "RIND"fleischprodukt nur zu 35 % aus RINDfleisch bestehen muss, der Rest aus allem möglichen Kram zusammengemixt sein DARF - laut Gesetz! Wie kann ich dann so was unterstützen, außer ich habe einen riesigen Garten, in dem ich meine eigene Lebensmittel züchte, halte, ernte...?