Daphne Caruana Galizia | Bildquelle: REUTERS

Korruption auf Malta Festnahme nach Mord an Journalistin

Stand: 20.11.2019 19:22 Uhr

2017 wurde Daphne Caruana Galizia Opfer eines Mordanschlags. Schnell wurde gemutmaßt, ihre Recherchen zu Korruption auf Malta seien ein Tatmotiv. Nun wurde ein bekannter Geschäftsmann festgenommen. Premier Muscat gerät unter Druck.

Im Zusammenhang mit dem Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia vor zwei Jahren ist ein maltesischer Geschäftsmann festgenommen worden. Einheiten der maltesischen Streitkräfte stoppten Yorgen Fenech am Morgen auf seiner Luxusjacht, die schon aus der Marina von Portomaso ausgelaufen war, wie die Zeitung "Times of Malta" berichtet. Die Festnahme wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen bestätigt.

Maltas Premier Joseph Muscat sagte , dass eine "Person von Interesse" festgenommen worden sei. Er könne aber nicht offiziell den Grund der Festnahme bestätigen. Der Festgenommene ist laut "Times of Malta" Direktor eines Konsortiums, das 2013 von der Regierung einen Auftrag erhalten hatte, ein Gaskraftwerk zu bauen. Das 450-Millionen-Euro-Kraftwerk, an dem neben maltesischen Firmen auch der aserbaidschanische Staatskonzern SOCAR und der deutsche Siemens-Konzern beteiligt sind, wurde 2017 fertiggestellt.

Yachthafen auf Malta | Bildquelle: via REUTERS
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Fenech wollte Malta offenbar mit seiner Yacht verlassen, als die Polizei zugriff.

Möglicher Schmiergeldskandal um "17 Black"

2018 kam heraus, dass Fenech auch eine geheime Offshore-Gesellschaft namens "17 Black" aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gehörte. Das zeigen Bankdokumente, über die im vergangenen Jahr vom Journalistenkollektiv "Forbidden Stories" berichtet hatte. Diesem gehören WDR, NDR, "Süddeutsche Zeitung" und die "ZEIT" an sowie unter anderem "Reuters" und der "Guardian".

Die Recherchen zeigten: Über Briefkasten-Firmen sollten der damalige Energie- und heutige Tourismusminister Konrad Mizzi sowie Muscats Stabschef Keith Schembri offenbar monatliche Zahlungen in Höhe von 150.000 Euro erhalten - und zwar von "17 Black". Darüber hatte Caruana Galizia bereits Monate vor ihrem Tod berichtet. Beide Kabinettsmitglieder bestreiten, jemals Geld von "17 Black" kassiert zu haben. Unklar ist, ob je Geld geflossen ist.

Siemens antwortete auf eine heutige Anfrage der "Süddeutschen Zeitung", dass man bereits nach den Vorwürfen in der Presse darauf gedrungen habe, Fenech "aufgrund der öffentlichen Zweifel an der Integrität" als Mitglied des Kraftwerk-Verwaltungsrates abzuberufen. Heute, also am Tag der Festnahme, sei Siemens schließlich mitgeteilt worden, dass F. von seinem Posten im Verwaltungsrat zurückgetreten sei.

Muscat machte Kronzeugen Angebot

Erst am Dienstag hatte Regierungschef Muscat überraschend einem mutmaßlichen Mittelsmann Fenechs Straffreiheit angeboten, sollte dieser gesicherte Informationen über den Drahtzieher des Mordes an Caruana Galizia liefern. Der Mann war in der vergangenen Woche festgenommen worden und hatte angegeben, er wisse, wer den Mordanschlag auf die Journalistin beauftragt habe.

Am 16. Oktober 2017 war ein Sprengsatz unter dem Mietwagen von Caruana Galizia explodiert. Mehrfach hatte sie Morddrohungen erhalten, die sie bei der Polizei zur Anzeige brachte. Drei Männer, die die Autobombe gezündet haben sollen, wurden inzwischen wegen Mordes angeklagt. Unklar ist bislang aber, wer den Mord in Auftrag gegeben hat.

Rücktrittsforderungen an den Premier

Die Regierung des kleinsten EU-Landes geriet wegen des Falls am Mittwoch einmal mehr in die Kritik. Der Enthüllungsjournalist Manuel Delia forderte das maltesische Parlament auf, Muscat abzusetzen. "Feuert Joseph Muscat. Heuert einen neuen Premierminister an", schrieb Delia in seinem Blog.

Die Familie der Ermordeten schloss sich den Rücktrittsforderungen an. "Joseph Muscat garantierte den Männern, die die Mörder meiner Mutter anheuerten, Straffreiheit wegen Korruption. Jetzt hält er die Schlüssel zur Gerechtigkeit. Er sollte sie jemand anderem geben", schrieb Daphnes Sohn Andrew auf Twitter.

Ministerpräsident Muscat sagte der "Times of Malta" nach der Festnahme von Fenech, dass er "bislang keinen Verdacht" sehe, dass sein Minister oder sein Kabinettschef in den Mord verwickelt seien.

Mit Informationen von Andreas Spinrath, WDR.

Mordfall Caruana Galizia - offenbar weiterer Verdächtiger in Malta festgenommen
Lisa Weiß, ARD Rom
20.11.2019 12:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. November 2019 um 11:37 Uhr.

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