Bergsturz am Dorf Bondo | Bildquelle: REUTERS

Bergsturz in der Schweiz Suche nach Vermissten eingestellt

Stand: 26.08.2017 12:28 Uhr

Nach einem zweiten Felsabgang im Schweizer Kanton Graubünden haben die Einsatzkräfte die Suche nach acht Vermissten eingestellt. Derzeit würden nur nötigste Sicherungsarbeiten im Tal vorgenommen, teilte die Bündner Kantonspolizei mit.

Die Suche nach acht vermissten Personen im Schweizer Kanton Graubünden bleibt ausgesetzt. Das teilte die Bündner Kantonspolizei mit.

Die Vermissten kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von den Wanderern gibt es seit dem ersten Bergsturz am Mittwoch kein Signal mehr. Mehr als 100 Rettungskräfte hatten mit Hubschraubern, Infrarotkameras und Suchhunden nach den Personen gesucht.

"Man hat alles Mögliche ausgeschöpft, um diese Vermissten zu finden", sagte Polizeisprecherin Sandra Scianguetta.

Derzeit würden nur "nötigste Sicherungsarbeiten" im Tal vorgenommen, etwa um Gelände zu sichern, so die Polizei.

Zweiter Felsabgang

Am Freitag hatte es beim Dorf Bondo einen zweiten Felsabgang gegeben. Erneut schoben sich Wasser, Geröll und Steinsbrocken an den Häusern vorbei. Einige Bewohner, die vorübergehend in ihre Häuser zurückkehren durften, mussten erneut in Sicherheit gebracht werden, wie der Schweizer Rundfunk SRF berichtete.

Das Dorf Bondo war am Mittwoch evakuiert worden. Rund vier Millionen Kubikmeter Fels hatten sich vom 3360 Meter hohen Piz Cengalo gelöst. Das ist mehr, als die Außenalster in Hamburg an Volumen fasst. "Das war der größte Bergsturz der letzten Jahrzehnte", sagte Martin Keiser vom Amt für Wald und Naturgefahren.

Weitere Felsstürze zu erwarten

Der Geologe Andreas Huwiler vom Graubündner Amt für Wald und Naturgefahren schloss weitere Murgänge nicht aus. "Die größte Gefahr ist, wenn es in der Gegend mehrere Tag lang heftig regnet oder gewittert", sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung". "Unter diesen Umständen rechnen wir mit weiteren Murgängen."

Der Geologe erläuterte, dass einem solch gewaltigem Bergsturz komplexe Vorgänge vorausgehen, die Tausende von Jahren dauern können. Bergstürze dieser Größenordnung seien deshalb weitgehend unabhängig von der Temperaturentwicklung, wie sie sich durch den Klimawandel ergeben.

Anders sehe dies bei kleineren Felsstürzen oder bei Steinschlägen im Hochgebirge aus. "Solche Ereignisse können in heißen Sommern durchaus gehäuft auftreten, weil oberflächennaher Permafrost auftaut. Das zeigen die Erfahrungen aus den Hitzesommern im Jahr 2003 oder 2015", sagte Huwiler der "Neuen Zürcher Zeitung".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. August 2017 um 09:05 Uhr.

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