Silhouetten von Menschen mit Smartphone vor einem Facebook-Logo. | REUTERS

Brief von US-Staatsanwälten Sonderrechte für Impfgegner bei Facebook?

Stand: 15.10.2021 10:21 Uhr

US-Generalstaatsanwälte setzen Facebook unter Druck. Sie wollen herausfinden, ob die größten Verbreiter von Falschinformationen über Corona-Impfstoffe bevorzugt behandelt werden.

Generalstaatsanwälte aus 14 US-Bundesstaaten wollen von Facebook wissen, ob prominente Impfgegner bei dem Online-Netzwerk von einer Vorzugsbehandlung profitiert haben. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg beziehen sie sich auf Medienberichte, wonach das Online-Netzwerk für bekannte Nutzer Ausnahmen bei der Durchsetzung seiner Inhalte-Regeln gemacht hatte.

Das umstrittene System, das dies möglich gemacht haben soll, heißt "Cross-Check". Es bringt Facebook schon seit Wochen Ärger. Laut Facebook wurde es eingeführt, um Fehler beim Entfernen von Inhalten zu vermeiden. Dabei werden solche Entscheidungen in einigen Fällen einer zweiten Prüfung unterzogen - zum Beispiel, um zusätzlichen Kontext oder andere Faktoren wie den Nachrichtenwert zu berücksichtigen.

Ausnahmen bei "Cross-Check" für Impfgegner?

Die Generalstaatsanwälte fragen nun, ob unter den prominenten Nutzern, für die es Ausnahmen bei "Cross-Check" gab, auch Impfgegner mit vielen Facebook-Abonnenten waren und diese auf der internen Facebook-Liste stehen. Speziell interessieren sie sich für das sogenannte "Desinformations-Dutzend". Das sind die wenigen Personen, von denen nach Analysen ein Großteil der Falschinformationen über Corona-Impfstoffe in den USA verbreitet wurde.

Facebook hatte stets betont, dass das Online-Netzwerk konsequent gegen Falschinformationen über Corona-Impfstoffe vorgehe. Die Staatsanwälte verweisen allerdings auf Fälle, in denen Beiträge von Impfgegnern auf der Plattform geblieben seien - und wollen auch wissen, ob dabei finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt hätten.

Neue Algorithmen aus reiner Gewinnsucht

Laut den Enthüllungen der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen setzt Facebook aus reiner Gewinnsucht verstärkt auf neue Algorithmen, die die politischen Lager zunehmend polarisieren lassen: Die Nutzer würden durch ihre Wut dazu verleitet, immer weiter zu scrollen, was die Reichweite der Werbetreibenden erhöhe. Facebook habe dafür ein System aufgebaut, das hochkarätige Nutzer von den Regeln gegen gezielte falsche Behauptungen über Covid-19 und Impfstoffe ausnehme.

Falschinformationen über das Virus, Behandlungsmethoden und Impfstoffe haben sich während der Corona-Pandemie schnell auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube verbreitet. Forscher und Gesetzgeber werfen Facebook seit Langem vor, schädliche Inhalte auf seinen Plattformen nicht zu kontrollieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2021 um 10:00 Uhr.