Facebook-Chef Zuckerberg  | AP

Kampagne gegen Hasspostings Fast 100 Firmen boykottieren Facebook

Stand: 29.06.2020 10:07 Uhr

An einem Tag mehr als 50 Milliarden Dollar Börsenwert verloren: Der Anzeigenboykott bei Facebook für weniger Hass im Netz trifft das Unternehmen. Nun sollen auch europäische Unternehmen mitmachen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Mittlerweile haben sich mehr als 90 Unternehmen dem Anzeigenboykott unter dem Hashtag "StopHateForProfit" angeschlossen. Jüngste Neuzugänge sind der Autobauer Honda, der Konsumgüterhersteller Unilever, Coca Cola sowie die Kaffeehauskette Starbucks.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Einer der Mitbegründer der Kampagne ist der New Yorker Bürgerrechtler Rashad Robinson. Im US-Fernsehen wirft er Facebook Schönfärberei vor: "Sie geben Lippenbekenntnisse ab und erzählen uns, dass bestimmte Inhalte gelöscht würden. Wenn man sich dann aber Ihre tatsächliche Unternehmenspolitik anschaut, dann sind Sie nicht bereit, etwas zu ändern. Sie weigern sich, Bürgerrechte in den Mittelpunkt zu stellen, wenn Sie neue Produkte entwickeln."

Facebook versucht zu beschwichtigen

Angesprochen fühlen sollte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Am Freitag unternahm er einen neuen Versuch, die Werbeindustrie umzustimmen. Man wolle künftig noch stärker gegen Hassbotschaften vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentenwahlen löschen, kündigte er an. Vermutlich sind es aber Sätze wie dieser, die ein Einsehen zweifelhaft erscheinen lassen:

"In der EU wurde diese Woche eine Studie veröffentlicht. Und die kommt zu dem Schluss, dass bei Facebook Hassbotschaften schneller gelöscht werden als bei anderen großen Plattformen - YouTube und Twitter eingeschlossen."

Firmen und Werbeagenturen zeigten sich wenig beeindruckt von Zuckerbergs Versprechen. Zu Börsenschluss hatte sein Unternehmen 53 Milliarden Euro an Wert verloren.

Nur eine Plattform?

Am gestrigen Sonntag schickte Zuckerberg dann seinen obersten Pressesprecher mit einer Charmeoffensive nach vorne. Im TV-Sender CNN sagte Nick Clegg, Ex-Vize-Premier von Großbritannien, die Stimmung in den USA sei wegen der Wahlen im November aufgeheizt. Sprich: Facebook sei nur der Mittler, nicht Verursacher. "Die Menschen von rechts und links schreien sich an. Facebook ist hier eine Art Spiegel der Gesellschaft. Wir sind ein privates Unternehmen, wir betreiben diese Plattform, auf der sich die amerikanische Demokratie mit all ihren rühmlichen und auch hässlichen Eigenschaften darstellt."

All die Versprechungen und Beschwichtigen haben bis dato offenbar keine Wirkung. Die Initiatoren von #StopHateForProfit haben für diese Woche angekündigt, auch europäische Unternehmen zu bitten, sich dem Boykott von Facebook anzuschließen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2020 um 06:45 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".