Facebook will neue Regeln für Politwerbung | Bildquelle: AP

Facebook verschärft Regeln Ein klein bisschen transparenter

Stand: 06.04.2018 22:14 Uhr

Facebook steht unter Druck. Nun will das Unternehmen seine Regeln für politische Werbung verschärfen. Außerdem sollen Betroffene des Datenskandals informiert werden - was mit deren Daten geschehen ist, erfahren sie aber nicht.

Facebook verschärft seine Regeln für Polit-Werbung. Wer künftig entsprechende Anzeigen schalten will, muss Identität und Standort bestätigen. Bereits im vergangenen Oktober hatte Facebook dieses Verfahren für eindeutige Wahlwerbung eingeführt. Jetzt wird es auf Werbung mit politischem Hintergrund insgesamt ausgeweitet.

Dabei kann es sich beispielsweise um als Werbung verbreitete Botschaften zu kontroversen Themen wie Einwanderung oder Spannungen zwischen politischen und sozialen Gruppen handeln. Hier soll künftig auch transparent gemacht werden, wer für sie bezahlt hat. Die Neuerungen werden zunächst in den USA eingeführt und sollen in den kommenden Monaten auf den Rest der Welt ausgeweitet werden, so das Unternehmen.

Tausende neue Mitarbeiter

Außerdem werden sich Betreiber von Facebook-Seiten mit vielen Fans ebenfalls bei dem Unternehmen verifizieren müssen. Für das Verfahren werde Facebook "Tausende" weitere Mitarbeiter einstellen, hieß es.

Hintergrund ist die Kontroverse um Propaganda aus Russland. Die von Russland aus agierende Gruppe Internet Research Agency hatte im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 in großem Stil mit Einträgen von gefälschten Profilen politische Spannungen in den USA geschürt und für den am Ende siegreichen Donald Trump agitiert.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg | Bildquelle: AP
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg: "Werden nicht alle stoppen, die versuchen, das System hereinzulegen"

"Werden nicht alle stoppen"

Die neuen Schritte allein "werden nicht alle stoppen, die versuchen, das System hereinzulegen", schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg. "Aber sie werden es für alle stark erschweren, das zu machen, was die Russen im Wahlkampf 2016 getan haben, und gefälschte Profile und Seiten für Anzeigen zu nutzen."

Betroffene sollen informiert werden

Ab Montag will Facebook Betroffene zudem weltweit über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren. "Wir werden es jedem mitteilen, dessen Daten von Cambridge Analytica betroffen sein könnten", sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Die Information soll ganz oben im Newsfeed von Facebook auftauchen. Auch alle Apps, mit denen Nutzer auf Facebook verbunden sind, sollen dort in einer eigenen Mitteilung zu sehen sein. Es soll eine einfache Möglichkeit geben, diese Apps zu löschen, kündigte Sandberg an.

Millionen betroffen

Mitte März war bekannt geworden, dass die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica unrechtmäßig an Informationen von Millionen Facebook-Usern kam - ohne deren Wissen. 87 Millionen Nutzer könnten weltweit betroffen sein, darunter rund 310.000 Anwender aus Deutschland. Nach Angaben der EU-Kommission wurden in der Europäischen Union die Daten von bis zu 2,7 Millionen Menschen aus den Facebook-Systemen gezogen.

Laut Sandberg ist noch immer unklar, welche Informationen der Nutzer genau bei der umstrittenen Firma gelandet sind und was damit passiert ist.

Facebook-Datenskandal: Deutlich mehr Nutzer in der EU betroffen
Karin Bensch,WDR Brüssel
06.04.2018 23:07 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. April 2018 um 21:45 Uhr.

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