Kernkraftwerk Saporischschja | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine AKW Saporischschja heruntergefahren

Stand: 11.09.2022 09:38 Uhr

Der Betrieb des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist aus Sicherheitsgründen komplett eingestellt worden. Auch der sechste und letzte Reaktorblock wurde vom Netz genommen. Das Sicherheitsrisiko bleibt aber hoch.

Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja ist nach ukrainischen Angaben vollständig abgeschaltet worden. "Es wurde entschieden, den Reaktorblock Nummer sechs in den sichersten Zustand - den Kaltzustand - zu versetzen", teilte die ukrainische Atombehörde Enerhoatom auf ihrem Telegram-Kanal mit. Vorbereitungen für die Kühlung des Reaktors und zu seiner Überführung in den Kaltzustand seien im Gange.

Das Gelände des Kraftwerks in der Stadt Enerhodar wurde wiederholt von Geschossen getroffen, wofür sich Russland und die Ukraine gegenseitig verantwortlich machen. Sie werfen einander vor, damit eine atomare Katastrophe zu riskieren.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Bereits seit drei Tagen im "Inselbetrieb"

Laut Enerhoatom arbeitete das AKW in den vergangenen drei Tagen bereits im "Inselbetrieb" - das heißt, es produzierte nur noch Strom zur Eigenversorgung, weil alle Verbindungslinien zum ukrainischen Stromnetz durch den Beschuss unterbrochen worden seien.

Am Samstagabend sei dann eine Leitung zum Stromnetz wiederhergestellt worden. Daraufhin sei entschieden worden, das AKW über diese Leitung zu versorgen, den letzten funktionierenden Reaktorblock abzuschalten und auf den sicheren Kaltzustand herunterzukühlen.

Risiko bleibt hoch

Das Risiko weiterer Schäden an der Leitung bleibe aber hoch, so Enerhoatom. Notfalls müsse die Kühlung mit Dieselgeneratoren betrieben werden. Dies sei wegen der technologischen Ressourcen und der Menge des verfügbaren Treibstoffs aber nur zeitlich begrenzt möglich.

Bereits im August gab es eine Notabschaltung des Kraftwerks. Vorausgegangen war ein Beschuss der Anlage. Unabhängig überprüft werden können die Angaben nicht.

IAEA fordert demilitarisierte Zone

Am Mittwoch hatte die ukrainische Regierung die Bewohnerinnen und Bewohner rings ums das Atomkraftwerk aufgerufen, die Gegend zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die Internationale Atomenergieagentur IAEA fordern eine demilitarisierte Zone um das AKW-Gelände herum. Die Stadt Enerhodar liegt in der Region Saporischschja, nahe der Grenze zur Region Cherson im Süden der Ukraine. Dort kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen ukrainischen und russischen Truppen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. September 2022 ab 09:00 Uhr.