Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AFP

Neue Verbalattacke aus Ankara Erdogan droht Europäern

Stand: 22.03.2017 15:16 Uhr

Es ist eine neue Verbalattacke von Seiten der Türkei: Bei einer Rede in Ankara warnte Staatspräsident Erdogan die Europäer vor einer weiteren Eskalation des Streits mit seinem Land. In diesem Fall werde kein Westler mehr sicher sein.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Europäer vor einer weiteren Verschärfung des Streits mit seinem Land gewarnt. "Wenn ihr Euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer, kein einziger Westler auch nur irgendwo auf der Welt sicher und beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen können", sagte er bei einer Rede in der türkischen Hauptstadt Ankara. "Wenn Ihr diesen gefährlichen Weg beschreitet, werdet Ihr selbst den größten Schaden davontragen."

Erdogan rief die europäischen Länder dazu auf, "Demokratie, Menschenrechte und Freiheiten zu respektieren". Er übte erneut Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel, verzichtete aber diesmal auf Nazi-Vergleiche. Erdogan warf Merkel ein weiteres Mal vor, sich im Streit um Auftrittsverbote türkischer Minister in Rotterdam an die Seite der Niederlande gestellt zu haben. "Du bist also auf der Seite Hollands? Gut. Und ich bin auf der Seite meines Volkes und des Rechts. So werden wir auch weitermachen."

Kritik an Inhaftierungen zurückgewiesen

Mit Blick auf den inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel sagte er: "Niemals werden wir Zugeständnisse vor jenen machen, die sich Medienvertreter nennen, aber Aktivismus für Terrororganisationen betreiben oder für ausländische Dienste spionieren." Erdogan wies bei seiner Ansprache vor Verlegern Kritik aus dem Westen an Inhaftierungen von Journalisten in seinem Land zurück.

Deniz Yücel | Bildquelle: dpa
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Deniz Yücel - hier ein Archivbild - sitzt weiter in der Türkei in Haft.

Auf einer Liste "vom Ausland" seien in diesem Zusammenhang 149 Inhaftierte genannt worden. Die meisten davon säßen aber wegen Terrorismusvorwürfen im Gefängnis, andere würden krimineller Taten beschuldigt. "Das einzige, was nicht auf der Liste steht, sind Journalisten", sagte Erdogan. "Unter ihnen ist alles vertreten, vom Mörder bis zum Räuber, vom Kinderschänder bis zum Betrüger."

Seit Wochen Verbalattacken aus Ankara

Seit Wochen richten Erdogan und Minister seiner Regierung scharfe Angriffe gegen Deutschland und andere EU-Staaten. Sie gipfelten unter anderem darin, Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vorzuwerfen.

Anlass ist der Streit um die Verhinderung von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Deutschland, die für das von Erdogan geforderte Präsidialsystem in der Türkei werben wollten. Die Türken sind am 16. April aufgerufen, in einem Referendum über die Verfassungsänderung abzustimmen. Dadurch könnte Erdogan seine Macht deutlich ausbauen, die Befugnisse des Parlaments würden beschnitten. In Deutschland leben fast 1,5 Millionen stimmberechtigte Türken.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. März 2017 um 16:30 Uhr.

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