Erdbeben in der Ägäis | AFP

Türkei und Griechenland Mindestens 27 Tote nach Erdbeben in der Ägäis

Stand: 31.10.2020 08:25 Uhr

Nach dem Erdbeben in der Ägäis ist die Zahl der Todesopfer in der Westtürkei und auf Samos auf 27 gestiegen, Hunderte wurden verletzt. Es kam vereinzelt zu Tsunamis. Die Suche nach Verschütteten geht weiter.

Nach dem Erdbeben, das Gebiete der Türkei und Griechenlands erschütterte, ist die Zahl der Toten auf mindestens 27 gestiegen. Mehr als 800 Menschen seien verletzt worden, teilten türkische Behörden mit.

In der Westtürkei kamen demnach mindestens 25 Menschen durch das Beben ums Leben. Griechische Behörden hatten zwei Tote auf der Insel Samos gemeldet. Nach Medienberichten werden dort acht Verletzte im Krankenhaus behandelt.

Das Europäisch-Mediterrane Seismologische Zentrum gab die Stärke des Bebens vorläufig mit 6,9 an. Das Epizentrum habe sich 13 Kilometer nordnordöstlich der griechischen Insel Samos befunden. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde Afad lag der Erdbebenherd in der Ägäis in 16,5 Kilometern Tiefe.

Das Auswärtige Amt hat derzeit keine Hinweise darauf, dass unter den Toten und Verletzten Deutsche sein könnten.

Karte: Erdbeben Türkei

Zahlreiche Menschen verschüttet

In Izmir, der Küstenmetropole mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern, stürzten mehrere Häuser ein. Izmirs Gouverneur Yavuz Selim Kösger sagte, vier Häuser seien zerstört worden und mehr als zehn eingestürzt. Mindestens 70 Menschen seien aus Schutt und Trümmern gerettet worden.

Der Katastrophenschutz erklärte, in mindestens 17 Gebäuden suche man nach Überlebenden. In türkischen Medien war zu sehen, wie Retter Menschen aus den Trümmern holten.

Die Erschütterungen waren bis Istanbul, in die griechische Hauptstadt Athen und nach Bulgarien zu spüren.

Insel Samos von Erdbebenfolgen schwer betroffen

Auf der Insel Samos - die ebenfalls stark betroffen war - kamen nach bisherigen Erkenntnissen zwei Menschen ums Leben, acht weitere sollen verletzt sein. Die Menschen auf der Insel flohen aus ihren Häusern, es wurde über Schäden an Gebäuden und Straßen berichtet. Gouverneur Yannis Stamoulis rief die Bürger auf, sich von Gebäuden fern zu halten, weil es immer noch Nachbeben gebe.

Die Anwohner erhielten außerdem eine Tsunamiwarnung und wurden aufgefordert, sich auch von der Küste fernzuhalten. Im Haupthafen von Samos stieg das Wasser über den Kai und überflutete die Straße. Regierungsvertreter vor Ort berichteten von Schäden an Gebäuden und am Straßenverkehrsnetz.

In der Kleinstadt Vathy gab es einen Tsunami. Griechische Fernsehsender zeigten Bilder von der überfluteten Küstenpromenade, wo das Wasser Autos wegspülte. Auch auf Bildern aus dem türkischen Seferihisar waren überflutete Gassen zu sehen. Berichten zufolge kam es auch dort zu einem kleinen Tsunami.

Erdbeben in der Ägäis: Zerstörte Gebäude in Izmir | REUTERS

Zerstörtes Gebäude in Izmir Bild: REUTERS

EU und NATO bieten Hilfe an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan richtete sich in einem Tweet an die Bevölkerung. Man stehe den vom Erdbeben betroffenen Menschen mit allen Mitteln bei. EU-Ratspräsident Charles Michel bot den beiden betroffenen Ländern die Hilfe der Europäischen Union an. "Ich bin in Gedanken bei allen, die betroffen sind", schrieb Michel auf Twitter. "Die EU hält sich bereit, Unterstützung zu leisten."

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg boten Unterstützung an. Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sicherte in einem Telefonat mit Erdogan ebenfalls Hilfe zu.

Beide Länder zeigten sich solidarisch

Trotz der politischen Spannungen zwischen Ankara und Athen zeigten sich die beiden Regierungen solidarisch. Man sei bereit zu helfen, wenn Griechenland Bedarf habe, schrieb der türkische Kommunikationsminister Fahrettin Altun auf Twitter. Mitsotakis twitterte, er habe mit Präsident Erdogan telefoniert und sein Mitgefühl ausgedrückt. Ungeachtet der Schwierigkeiten gebe es Zeiten, in denen die beiden Völker zusammenstehen müssten.

Die beiden Länder streiten sich über Seegrenzen, Bohrrechte und Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Die Spannungen waren in den vergangenen Wochen und Monaten so stark, dass die Sorgen um einen offenen Konflikt zwischen den Nachbarn und NATO-Partnern immer größer wurden.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2020 um 16:00 Uhr.