Passanten ducken sich vor dem Eiffelturm in Paris unter ihren Regenschirm. | Bildquelle: REUTERS

Stromversorgung vor Kollaps Frankreich droht der Blackout

Stand: 13.01.2017 20:06 Uhr

Frankreich droht eine Kältewelle - und ein Stromkollaps. Schuld sind mangelhafte Atomkraftwerke. Die Energieministerin berief eine Krisensitzung ein. Im Notfall müssen ganze Regionen stundenweise im Dunkeln sitzen.

Von Jürgen Döschner, WDR

Wenn das kein schlechtes Omen war: Heute, am Freitag den 13., trafen sich Vertreter von 13 Energieunternehmen in Paris zu einem geheimen Krisentreffen. Energieministerin Segolène Royal hatte sie einbestellt. Es ging um nichts Geringeres, als den Zusammenbruch der Stromversorgung zu verhindern.

Wie ernst das Problem nicht nur für Frankreich selbst ist, beschreibt Andreas Preuß, Sprecher des deutschen Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Man beobachte die Lage in Frankreich sehr genau. "Wir sind mit den anderen Übertragungsnetzbetreibern in Kontakt, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen", sagte er. Wie die Lage in der kommenden Woche genau sein werde, wisse er nicht. Aber im gesamten Europa sei die Situation im Netz angespannt.

Bereits seit Wochen importiert Frankreich Strom

Das Problem: Seit Dezember sind in Frankreich rund zehn große Atomkraftwerke vom Netz gegangen. So viele gleichzeitig wie seit zehn Jahren nicht. Die meisten liegen still, weil fehlerhafter Stahl verbaut wurde und nun neue Sicherheitsprüfungen nötig sind. Bereits seit Wochen importiert Frankreich deshalb zusätzlich große Mengen Strom - vor allem aus Deutschland, Belgien, Großbritannien und Spanien. Doch in der kommenden Woche droht eine Kältewelle. Da in Frankreich überwiegend mit Strom geheizt wird, könnte es ab Mittwoch zu Engpässen kommen.

Die europäischen Netzbetreiber versuchen, mit eigenen Krisenmaßnahmen das Schlimmste zu verhindern. "Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber helfen Frankreich, indem wir zum Beispiel Wartungsarbeiten für Leitungen, die nach Frankreich gehen, verzögern", sagt Preuß. Zudem würden zum Teil die Übertragungskapazitäten auf bestimmten Leitungen vorübergehend erhöht, um mehr Strom nach Frankreich transportieren zu können.

Notfall: Industrie muss Betrieb runterfahren

Doch die Kapazitäten sind begrenzt, sowohl bei der Erzeugung als auch beim Transport. Deshalb bereitet sich Frankreich auf Notmaßnahmen vor. Im ersten Schritt sollen die Bürger aufgerufen werden, Spül- oder Waschmaschinen zu bestimmten Zeiten nicht laufen zu lassen, bestimmte Industriebetriebe müssten im nächsten Schritt vorübergehend ihren Betrieb herunterfahren. Wenn das alles nicht hilft, werden ganze Regionen stundenweise im Dunkeln sitzen.

Entscheidend wird nun das Wetter sein. Die Meteorologen rechnen ab Mittwoch mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie im Winter 2012. Das wäre eine ernste Lage - und eine Belastungsprobe für das gesamte europäische Stromnetz.

Stromversorgung Frankreichs in Gefahr
J. Döschner, WDR
13.01.2017 19:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 14. Januar 2017 um 06:50 Uhr.

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